Alkoholentzug

Lesezeit:
Aktualisiert am: 19.01.2021
Kontinuierlich neue Inhalte im Suchtratgeber Alkohol

Fachlich geprüft

alle Inhalte der Webseite wurden von Ärzten geprüft

Alkoholentzug: alles Wichtige in 30 sec.

  • Für eine dauerhafte Abstinenz sind eine Entgiftung
    und die Aufarbeitung psychischer Ursachen erforderlich
  • Begleiterkrankungen und der Mischkonsum mit anderen
    Substanzen müssen parallel behandelt werden
  • Entzugssymptome: Schwitzen, Tremor, Übelkeit, Krampfanfälle,
    Depressionen, Angst, Schlafstörungen, Aggressivität & Halluzinationen
  • Entzugserscheinungen können durch Medikamente gelindert werden
  • Dauer von 4 Wochen (private Kliniken) oder mehreren Monaten
    (öffentliche Einrichtungen)
Inhalt

Arten, Ablauf, Symptome und Dauer

Die Alkoholkrankheit gehört deutschlandweit zu den am meisten verbreiteten Abhängigkeiten; etwa 75.000 Alkoholiker sterben jährlich an den Folgen übermäßigem Alkoholkonsums. Begleitet wird die Alkoholsucht von Scham, Schuldgefühlen, Reue und Angst. Für Alkoholiker ist ein professioneller Alkoholentzug, oder auch Alkoholtherapie, die einzige Möglichkeit, ihrer Sucht zu entkommen und ein immens wichtiger Schritt in eine bessere, alkoholfreie Zukunft. Der Weg ist oft steinig, von Rückschlägen geprägt, und erfordert immer wieder Ermutigung, Unterstützung, Halt und Orientierung. Umso wichtiger ist es, dass Sie sich von vornherein für die richtige Durchführung und eine geeignete Einrichtung entscheiden.

Ab wann ist man überhaupt ein Alkoholiker?

Millionen Menschen weltweit trinken regelmäßig Alkohol, ohne an einer Alkoholabhängigkeit zu leiden; die Übergänge zwischen Konsum und Abhängigkeit verlaufen oft fließend. Einen ersten Anhaltspunkt zur “Alkoholiker-Definition” vermitteln die von der WHO in ihrem Diagnose-Manual ICD-10 festgelegten Kriterien alkoholbezogener Störungen. Demnach besteht immer dann eine Alkoholkrankheit (Diagnoseschlüssel F10.2), wenn im vergangenen Jahr mindestens drei der nachfolgenden Punkte auftraten:

  • Craving (Starkes Verlangen nach Alkohol)
  • Kontrollverlust (Beginn und Ende des Alkoholkonsums lassen sich nicht mehr kontrollieren)
  • Körperliche Entzugserscheinungen bei Reduzierung der Trinkmenge oder Trinkstopp
  • Toleranzentwicklung bei gleichbleibender Konsummenge
  • Ausschließliche gedankliche Fixierung auf Alkohol
  • Fortführung des Trinkens trotz gesundheitlicher Schäden

Mithilfe des von der Weltgesundheitsorganisation empfohlenen AUDIT Tests haben Sie die Möglichkeit, festzustellen, inwiefern diese Kriterien auf Sie zutreffen.

Wann sollte eine Alkoholismus-Therapie durchgeführt werden?

Alkoholentzug: Ab wann ist man Alkoholiker?Für einen qualifizierten Alkoholentzug ist es nie zu spät. Er kann im Anfangsstadium der Krankheit ebenso durchgeführt werden wie bei einer langjährigen Abhängigkeit. Dennoch gilt, je früher Sie entziehen, desto besser ist es für Ihre Gesundheit. Neben den bereits genannten Diagnosekriterien, einem schlechten gesundheitlichen Allgemeinzustand, sozialen Ursachen und der Möglichkeit der Behandlung von Folgeerkrankungen gibt es noch einen ganz entscheidenden Grund, um mit einer Alkoholismus-Therapie zu beginnen. Sie selbst haben das Gefühl, dass es so nicht weitergeht und dass Sie Ihr Leben verändern möchten. Die Grundvoraussetzung für den Erfolg der Therapie ist schließlich die Erkenntnis, dass Sie an einem Alkoholproblem leiden und professionelle Hilfe benötigen. Nur dann ist die Abstinenzmotivation in der Regel groß genug, um den körperlichen Entzug und die psychische Entwöhnung erfolgreich durchzuhalten.

Welche Arten des Alkoholentzugs gibt es?

Kalter Alkoholentzug, warmer Alkoholentzug oder schrittweiser Entzug: Eine Alkoholentzug-Therapie kann auf verschiedene Art und Weise und mit unterschiedlich hohem Erfolg durchgeführt werden. In diesem Zusammenhang bezieht sich der Begriff “Alkoholentzug” ausschließlich auf die körperliche Entgiftung. Damit die durch die Entzugstherapie erreichte Karenz nachhaltig stabil bleibt, sollten unbedingt eine körperliche Entgiftung und eine psychische Entwöhnung mit anschließender Nachsorge stattfinden.

Kalter Entzug

Häufig versuchen Menschen, einfach mit dem Trinken aufzuhören und zu Hause einen sogenannten „kalten Entzug“ durchzuführen. Der Weg zu einer Suchtberatungsstelle oder in eine Klinik ist mit Scham und Angst verbunden und außerdem müsste es mit ein bisschen Disziplin doch gelingen, mit dem Trinken aufzuhören. Häufig sind ebenfalls die Angehörigen dieser Meinung und verharmlosen die Erkrankung. Und genau dies ist ein fataler Trugschluss. Schließlich gilt die Alkoholsucht seit 1968 als Krankheit und erfordert, wie andere Erkrankungen auch, eine individuelle Therapie. Das Suchtverlangen ohne ärztliche und therapeutische Unterstützung zu unterdrücken, ist nahezu unmöglich, so dass nur die allerwenigsten Alkoholkranken einen kalten Alkoholentzug überhaupt bis zum Ende durchhalten. Darüber hinaus ist der Entzug nicht nur extrem schwierig und zum Teil schmerzhaft, sondern auch mit einem hohen Risiko verbunden. Entzugssymptome sind u.a. starkes Schwitzen, Zittern (vor allem der Hände), Übelkeit, Schlafstörungen, Nervosität, zwanghafter Alkoholkonsum, Gereiztheit und Depressionen. Bei äußerst schweren Verläufen können Krampfanfälle mit Zungenbiss und Halluzinationen bis zum gefürchteten Delirium tremens mit möglicher Todesfolge auftreten. Aufgrund seiner Lebensgefährlichkeit ist ein kalter Entzug daher unter keinen Umständen zu empfehlen. Vielmehr sollte ein Alkoholholentzug immer stationär mit ärztlicher Begleitung stattfinden.

Warmer Entzug

Ein warmer Entzug findet meist in einer Suchtklinik nach den aktuellen S3-Leitlinien der Alkoholtherapie statt, in der den Alkoholikern erfahrene Fachärzte und Psychotherapeuten zur Seite stehen. Die Entgiftung wird zur Linderung der Entzugserscheinungen medikamentös unterstützt und zugleich psychologisch und pflegerisch begleitet. So wird die Entzugstherapie bevorzugt mit Distraneurin Kapseln durchgeführt, die ambulant nicht gegeben werden können. Alternativ kann mit einem Benzodiazepin wie Oxazepam gearbeitet werden. Ebenfalls verabreicht werden Antiepileptika (z. B. Carbamazepin) zur Anfallsprophylaxe. Der Kreislauf und sonstige Funktionsparameter des Betroffenen werden während der gesamten Entgiftung engmaschig kontrolliert und Entgleisungen des Blutdrucks werden medikamentös behandelt. Das Risiko eines Delirium tremens wird somit deutlich verringert, Komplikationen wird sofort durch eine geeignete Behandlung gegengesteuert.

Schrittweiser Entzug

Während des schrittweisen Entzugs wird versucht, kontrolliert zu trinken und den Konsum von Alkohol mittels eines Trinktagebuchs nach und nach zu reduzieren. Aus suchtmedizinischer Sicht ist dieser Ansatz allerdings nicht erfolgversprechend. Schließlich ist der Kontrollverlust eines der wesentlichen Kriterien einer Alkoholsucht, so dass es für den Patienten längerfristig unmöglich wird, seinen Konsum bewusst zu kontrollieren. Dies ist allenfalls Menschen möglich, die zwar einen riskanten Konsum pflegen, aber (noch) nicht vom Alkohol abhängig sind. Bei einem Alkoholiker gilt die Faustregel, dass nie wieder (also lebenslang) ein kontrolliertes Trinken möglich sein wird.

Fazit

Durch das Entzugssyndrom gibt es gewissermaßen keinen leichten Alkoholentzug. Schließlich leiden alle Patienten in den ersten Tagen des Entzugs mehr oder weniger stark an körperlichen und psychischen Entzugserscheinungen. Dennoch ist für die allermeisten Alkoholiker ein medikamentös gestützter Entzug in einer Suchtklinik am angenehmsten und am zielführendsten.

Ambulanter Entzug oder stationärer Alkoholentzug?

Eine stationäre Behandlung ist einem ambulanten Entzug in jedem Fall vorzuziehen. Zum einen ist der Suchtkranke fortlaufend unter ärztlicher Aufsicht und kann ggf. sofort behandelt werden. Zum anderen kann er sich durch die Distanz zum häuslichen Umfeld voll und ganz auf die Alkoholtherapie konzentrieren und ist nicht seinen üblichen Sucht-Triggern ausgesetzt. Darüber hinaus wäre ein ambulanter Alkoholentzug nur dann möglich, wenn eine schwere Entzugssymptomatik weitgehend ausgeschlossen werden könnte, und die betroffene Person ein stabiles und unterstützendes privates Umfeld besitzt. Leider ist nicht vorauszusehen, wer lebensgefährliche Komplikationen wie einen Krampfanfall oder ein Delir entwickeln wird, so dass letztendlich nur eine stationäre Behandlung zu empfehlen ist.

Ist ein Alkoholentzug zu Hause sinnvoll?

Ist ein Alkoholentzug zu Hause sinnvoll?Ein Alkoholentzug zu Hause kann entweder als kalter Entzug (sehr gefährlich, daher nicht empfehlenswert), als ärztlich begleiteter Alkoholentzug oder in einer Tagesklinik stattfinden. Hier spricht man von einem teilstationären Angebot, da der Patient an den Werktagen mehrere Stunden in der Einrichtung verbringt und nur an den Abenden und am Wochenende zu Hause ist. Ist der Alkoholkranke körperlich und psychisch stabil, so dass nur mit geringen Entzugserscheinungen Alkohol zu rechnen ist, kann der Entzug unter Umständen zu Hause durchgeführt werden. Dennoch ist diese Entzugsvariante alles andere als leicht und daher nur bedingt zu empfehlen. Schließlich ist der Betreffende die meiste Zeit ohne eine adäquate medizinische Überwachung und psychotherapeutische Betreuung. Sollte es zu Komplikationen wie epileptischen Anfällen oder einem Delirium tremens kommen, kann dies trotzdem lebensgefährlich sein und es geht wertvolle Zeit bis zum Behandlungsbeginn verloren. Dies gilt umso mehr, falls der Süchtige allein lebt bzw. die Angehörigen nicht zu Hause sind. Darüber hinaus können stationär in einer Alkoholentzugsklinik meist andere, wirkungsvollere Medikamente zur Linderung der Entzugssymptome verordnet werden als bei einem Alkoholentzug ohne Klinik.

Welche Phasen umfasst ein qualifizierter Entzug?

Der Weg aus der Alkoholabhängigkeit erfolgt in mehreren Schritten bzw. Phasen. Je nach Menschen sind diese unterschiedlich ausgeprägt, beinhalten jedoch immer die Vorahnung, die Einsicht des Problems, die Absicht vom Trinken loszukommen, eine konkrete Handlung und die Stabilisierung der Alkohol-Abstinenz. Der gesamte Prozess wird vielfach durch Rückfälle unterbrochen, die den Abhängigen jedoch nicht entmutigen sollten.

Motivationsphase

Die Einsicht der Alkoholsucht und die Suche nach Unterstützung sind die ersten Schritte zu einem Leben ohne Alkohol. Wer selbst Suchtanzeichen bemerkt, kann eine mögliche Alkoholabhängigkeit durch einen Besuch beim Hausarzt oder einer Suchtberatungsstelle feststellen lassen. Dort ist in der Regel durch Fragen zum Trinkverhalten, beim Hausarzt durch eine körperliche- und Labordiagnostik (z. B. Gamma-GT, MCV, CDT) oder eine kurze Psychodiagnostik (Audit, Audit- C) eine sichere Diagnose möglich. Sodann wird der behandelnde Mediziner oder Therapeut den Betroffenen mit den Untersuchungsergebnissen konfrontieren und entsprechende Empfehlungen aussprechen. So kann der weitere Umgang mit dem übermäßigen Alkoholkonsum, zum Beispiel die Wahl einer passenden Alkoholtherapie oder die Einweisung in ein Krankenhaus oder eine Entzugsklinik, besprochen und eingeleitet werden.

Aus der Erfahrung heraus entscheiden sich viele Alkoholkranke frühestens nach einem langen Prozess zu einer Alkoholismus-Therapie. Erst, wenn Körper und Psyche stark angegriffen oder alle gesellschaftlichen Kontakte weggebrochen sind, kommt eine Abstinenz für sie überhaupt in Frage. Auslöser für einen Alkoholentzug können im Sinne erlebter oder drohender Konsequenzen neben körperlichen und psychosomatischen Erkrankungen zum Beispiel Führerschein- oder Jobverlust, Therapieauflagen, Trennung des Partners oder drohender Kindesentzug sein.

Entgiftungsphase

Die Dauer der Alkoholentgiftung richtet sich nach den individuellen Voraussetzungen, die im Rahmen einer umfangreichen Aufnahmeuntersuchung ermittelt werden. Die Diagnostik umfasst u. a. den Bereich der Inneren Medizin, diverse Funktionstests, Labordiagnostik, Ultraschall- und EKG- Untersuchungen.

Während der Alkoholentgiftung wird der Gesundheitszustand des Alkoholsüchtigen von den Ärzten engmaschig kontrolliert, so dass bei eventuellen Komplikationen oder starken Entzugserscheinungen sofort eingegriffen werden kann. In den meisten Krankenhäusern wird die Schwere der Entzugssymptome und der daraus resultierende Behandlungsbedarf nach der Alkohol-Entzugs-Skala (AES) beurteilt. Um die Entzugserscheinungen zu lindern, wird die Entzugsphase üblicherweise durch Medikamente unterstützt.

Direkt an die Entgiftung sollte sich eine weiterführende ambulante oder stationäre Entwöhnung in einer öffentlichen Einrichtung oder einer privaten Entzugsklinik anschließen, damit der Alkoholkranke aufgrund seiner nach wie vor bestehenden psychischen Abhängigkeit nicht rückfällig wird.

Entwöhnungsphase

Der nächste Schritt des Alkoholentzugs befasst sich mit der Alkoholentwöhnung. In dieser Phase ist die körperliche Abhängigkeit überwunden, eine seelische Abhängigkeit vom Suchtmittel besteht jedoch weiterhin. In der Regel beginnt nun im Rahmen einer längerfristigen Reha-Maßnahme die sogenannte Entwöhnungsphase, welche meist 3 bis 4 Monate dauert und der bei öffentlichen Einrichtungen häufig eine mehrwöchige Wartezeit vorgelagert ist. Der Betroffene lernt im Rahmen der Alkoholentwöhnung gemeinsam mit Psychologen, wie er in sein vorheriges, suchtfreies Leben zurückkehren und dauerhaft abstinent bleiben kann.

In privaten Entzugskliniken wird alternativ zu der gerade beschriebenen Methode eine Entwöhnung angeboten, die sich direkt an die Alkoholentgiftung anschließt, so dass eine durchgängige multiprofessionelle Behandlung gewährleistet und die Alkoholtherapie innerhalb kurzer Zeit abgeschlossen ist. Dabei wird die Tatsache genutzt, dass sich der Suchtkranke durch den vorhergehenden Aufenthalt in der jeweiligen Einrichtung seinem Alkoholproblem völlig geöffnet hat. Rückfälle in der Wartezeit, in der sich der Therapiewiderstand des Alkoholkranken möglicherweise wieder erhöht, werden auf diese Weise vermieden. Die Möglichkeit, nahtlos bei demselben Therapeuten weiterarbeiten zu können, fördert im Rahmen einer intensiven Psychotherapie im Einzelgespräch eine stärkere Auseinandersetzung mit den psychischen Ursachen der Sucht. Nach einer definitiven Problemanalyse werden individuelle Ansätze der Konfliktverarbeitung und der Bewältigung erarbeitet.

In vielen Kliniken wird der Patient in einer psychoedukativ gestalteten Rückfallprävention auf Rückschläge vorbereitet. Parallel dazu finden auf Patientenwunsch Familien- und/oder Paargespräche statt, in denen einerseits die Begegnung und das Miteinander, andererseits aber auch der konfliktklärende und konstruktive Dialog gefördert werden. Somit kann das Umfeld des Patienten die Abstinenz optimal unterstützen und bei Suchtrückfällen eine wertvolle Hilfe sein. Sind diese Beziehungen ursächlich für die Alkoholabhängigkeit, ist ein Angehörigengespräch ebenfalls zwingend notwendig.

Sollten bei der Sucht andere Erkrankungen eine Rolle spielen, wie zum Beispiel Depressionen, Angstzustände oder Verhaltensstörungen, werden diese im Rahmen des gesamten Therapieansatzes mitbehandelt. Dasselbe gilt für den Beikonsum anderer psychotroper Substanzen.

Nachsorgephase

Um nicht in alte Verhaltensmuster zurückzufallen und einen Rückfall zu erleiden, ist nach einem erfolgreichen Alkoholentzug eine umfangreiche und konsequente ambulante Nachsorge sehr wichtig. Dazu gehört auch die Behandlung psychischer, psychosomatischer und somatischer Komorbiditäten, beispielsweise durch eine ambulante Gesprächstherapie bei einem Nachsorgetherapeuten. In dieser können aufkommendes Suchtverlangen, das Zurechtkommen in der sozialen Umgebung und weitere der Abstinenz dienliche Themen besprochen und bearbeitet werden.

Bei multimorbiden Patienten muss die ärztliche Behandlung psychiatrisch-neurologischer Erkrankungen unbedingt weitergeführt werden. So werden bei Bedarf physikalische Therapien, kombinierte Schmerztherapien, Sport, Bewegung und Entspannungstraining angeboten.

Ein weiterer wichtiger Baustein des Alkoholentzugs sind Selbsthilfegruppen wie die Anonymen Alkoholiker oder das Blaue Kreuz, in denen die Betroffenen Erfahrungen austauschen, sich gegenseitig Mut zusprechen und Verständnis erfahren können. Die Teilnehmer sprechen hier völlig offen über das Thema Alkohol und die damit verbundenen Probleme, was innerhalb der Familie oder im Freundeskreis nur selten möglich ist. Häufig entstehen auch intensive soziale Kontakte, welche die erste schwierige Zeit nach dem Alkoholentzug deutlich erleichtern können.

Welche Alkoholentzug-Symptome treten auf?

Menschen, die mit dem Trinken aufgehört haben, leiden an den unterschiedlichsten Alkoholentzug-Symptomen. Obwohl nicht jeder Alkoholkranke dieselben Beschwerden aufweist, sind einige Symptome typisch für einen Alkoholentzug.

Körperliche Symptome

  • Starkes und vermehrtes Schwitzen
  • Zittern (vor allem der Hände)
  • Übelkeit und Kreislaufbeschwerden
  • Krampfanfälle mit Zungenbiss
  • Delirium tremens

Psychische Symptome

  • Depressionen und Angst
  • Innere Unruhe und Schlafstörungen
  • Gereiztheit und Aggressivität
  • Halluzinationen

Lesen Sie auch

Alkoholentgiftung

Alkoholentwöhnung

Alkohol am Arbeitsplatz: Risiken und Auswirkungen

Alkohol und Corona: Fakten, Risiken und Chancen

Alkohol und Herz: Wenn das Herz aus dem Takt gerät

Alkohol und Schlaf: Wie beeinflusst Alkohol den Schlaf?

Alkohol-Absturz: Wenn Betrunkene die Kontrolle verlieren

Alkohol-Aggression: Wann und warum macht Alkohol aggressiv?

Alkoholentzug und Sport: Bewegung neu erlernen und erleben

Alkoholiker in der Familie: Hilfe anbieten und Grenzen ziehen

Alkoholiker-Typen: Phasen und Formen des Alkoholismus

Alkoholismus-Folgen: Alkoholfolgeerkrankungen im Überblick

Alkoholpsychose: Wenn Realität und Wahn verschwimmen

Welche Alkoholentzug-Medikamente kommen zum Einsatz?

Welche Alkoholentzug-Medikamente während eines stationären Aufenthalts verabreicht werden, hängt in erster Linie vom allgemeinen Gesundheitszustand des Suchtkranken, den Vor- und Begleiterkrankungen und den Alkohol-Entzugserscheinungen ab. Die Medikation wird dementsprechend individuell auf den Betroffenen zugeschnitten. So kann Clomethiazol bzw. Distraneurin oder Oxazepam Erregungs- und Unruhezustände lindern, bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen hingegen wird eher Clonidin gegeben. Zur Prävention einer Wernicke-Enzephalopathie empfiehlt sich die Gabe von Vitamin B1 (Thiamin).

Alkoholentzug-Dauer: Wann ist das Schlimmste vorbei?

Alkoholentzug-Dauer: Wann ist das Schlimmste vorbei?Die Alkoholentzug-Dauer ist individuell und hängt u. a. von der Menge und Dauer des Trinkens ab. Die ersten Entzugserscheinungen können schon 4 bis 12 Stunden nach dem letzten Konsum auftreten; der Höhepunkt ist nach rund 24 Stunden erreicht. Nach den ersten 5 Tagen haben die Betroffenen meist bereits die heftigsten Entzugserscheinungen hinter sich. Die letzten Symptome klingen spätestens nach 14 bis 21 Tagen ab. Erhalten die Patienten lindernde Medikamente, werden ebenfalls stark ausgeprägte Entzugserscheinungen abgemildert, so dass das Entzugssyndrom meist erträglich ist. Insgesamt ist ein Alkoholentzug allerdings erst dann vollständig abgeschlossen, wenn auch die Entwöhnung durchlaufen wurde, so dass insgesamt von mindestens 4 Wochen (private Kliniken) und mehreren Monaten (öffentliche Einrichtungen) ausgegangen werden muss.

Wo kann man einen Alkoholentzug machen?

Prinzipiell kann eine Alkoholentgiftung in jedem Krankenhaus und jeder Psychiatrie stationär durchgeführt werden. Die Suchtrehabilitation (Entwöhnung) öffentlicher Träger (in der Regel die Rentenversicherung) findet in einer Rehaklinik statt und ist außer beim Nahtlosverfahren meist mit einer längeren Wartezeit verbunden, in der ein hohes Rückfallrisiko besteht.

Alternativ kann der stationäre Entzug in einer privaten Alkoholentzugsklinik durchgeführt werden, in der die Entgiftungsbehandlung und die Entwöhnung unmittelbar aufeinander folgend durchgeführt werden. Im geschützten Rahmen dieser ganzheitlichen Therapie setzen sich die Suchtkranken mit Hilfe derselben Ärzte und Therapeuten umfassend mit ihrem Problem auseinander, so dass die Erfolgschancen deutlich höher sind als bei einem Entzug in öffentlichen Einrichtungen.

Welche Klinik ist die richtige für einen Alkoholentzug?

Bei Behandlungen über die gesetzliche Krankenkasse und die Rentenversicherung können Suchtkranke normalerweise nur wenig Einfluss auf die Wahl der Klinik nehmen. Je nach Bettenzahl und Belegung erfolgt die Entgiftung meist im nächstgelegenen Krankenhaus. Bei der Suchtrehabilitation wird die Klinik dem Antragsteller von der Rentenversicherung zugewiesen. Dem Bescheid kann in begründeten Fällen durch das sogenannte Wunsch- und Wahlrecht widersprochen werden, das dem Patienten ein Mitspracherecht bei der Wahl der Rehaklinik zugesteht.

Findet der Entzug in einer privat geführten Suchtklinik statt, besteht eine freie Klinikwahl. Da sich die Behandlung in einer privaten Alkoholsucht-Klinik in Deutschland immer mehr als Alternative zur Entgiftung und Suchtrehabilitation öffentlicher Kostenträger durchgesetzt hat, sind hier mittlerweile zahlreiche Kliniken auf dem Markt vertreten. Daher ist es sinnvoll, sich detailliert mit der Klinikwahl auseinanderzusetzen, sich die gewünschten Einrichtungen vor der Entzugstherapie anzuschauen und erst dann die endgültige Entscheidung zu treffen. Die Wohnortnähe sollte dabei nur eine untergeordnete Rolle spielen, denn ein Alkoholentzug in der Nähe ist zwar die bequemste, aber nicht zwangsläufig die beste Entzugsvariante. Folgende Kriterien können die Klinikwahl erleichtern:

  • Einstufung als Akutklinik entsprechend § 107 I SGB
  • Möglichkeit von Besichtigungsterminen und Vorabgesprächen
  • Fokussierung auf die Behandlung von Abhängigkeitserkrankungen
  • Therapie von Begleiterkrankungen (Komorbiditäten) und Mehrfachabhängigkeiten
  • Positive Patientenbewertungen
  • Vorhandene Zertifizierungen

Alkoholentzug: Wer zahlt?

Wie bereits erwähnt, haben alkoholkranke Menschen das Anrecht auf eine qualifizierte medizinische Behandlung, die von zwei unterschiedlichen Kostenträgern übernommen wird. So ist die Krankenkasse zuständig für die Entgiftung in einem Krankenhaus oder einer Psychiatrie; die Rentenkasse ist der Kostenträger der Suchtrehabilitation (Entwöhnung). Während die Einweisung ins Krankenhaus über den behandelnden Arzt erfolgt oder in Notfällen auch ohne Einweisung vonstattengeht, muss die Suchtrehabilitation zunächst bei der Rentenversicherung beantragt werden. Die Wartezeit auf die Bewilligung und einen freien Reha-Platz beträgt meist 4 bis 6 Wochen.

Entscheidet sich der Betroffene für eine Privatklinik, trägt er die Kosten selbst oder wickelt sie über seine private Krankenversicherung ab. In diesem Fall muss die gewählte Klinik gemäß dem bereits erwähnten § 107 I SGB V eingestuft werden und es muss eine medizinische Behandlungsnotwendigkeit bestehen. Bei den Formalien der Antragstellung sind die meisten Privatkliniken gerne behilflich.

Weshalb sich ein Alkoholentzug für Sie lohnt

Ein Alkoholentzug lohnt sich immer: Sei es für Ihre körperliche und seelische Gesundheit oder die Lebenserwartung. Der gesamte Körper wird leistungsstärker, das Hautbild bessert sich und alkoholbedingte depressive Verstimmungen oder Angststörungen lösen sich auf. Folgeerkrankungen wird vorgebeugt, bestehende Krankheiten werden gelindert und die Beziehungen zum sozialen Umfeld verbessern sich. Sie leben deutlich bewusster und selbstbestimmter und freuen sich über Ihre neu gewonnene Lebensqualität. Starten Sie jetzt in Ihr neues Leben!

Ihr Kontakt zur My Way Betty Ford Privatklinik

Person steigt eine Treppe herauf und hält eine Fahne in der Hand. Auf einem Schild steht JA zum suchtfreien Leben.





    Aktuelle Seminare zum Thema Alkoholentzug

    MITTEILUNG „UPDATE DER MY WAY BETTY FORD KLINIK® ZU COVID-19“

    Jetzt informieren

    Pressemitteilung “Erfolgreiche Rezertifizierung der My Way Betty Ford Klink®”

    Jetzt informieren

    Pressemitteilung “Die My Way Betty Ford Klinik® jetzt mit Wissenschaftlichem Beirat”

    Jetzt informieren

    Fortbildungsveranstaltung “Sucht & Depression” am 12.09.2020 in Berlin [ABGESAGT]

    Jetzt informieren

    Fortbildungsveranstaltung “Sucht & Depression” am 14.03.2020 in Hamburg [ABGESAGT]

    Jetzt informieren

    Ausgebucht: Fortbildungsveranstaltung “Sucht & Depression” am 08.02.2020 in München

    Jetzt informieren

    Stellungnahme: Beeinflusst ein Ausgang während der Therapie den Therapieerfolg

    Jetzt informieren

    Aktuelle Fachbeiträge zum Thema Alkoholentzug

    Suchtverhalten wird häufig durch psychische Erkrankungen ausgelöst

    Jetzt informieren

    Legalisierter Cannabis-Konsum und das Risiko chronischer Psychosen

    Jetzt informieren

    (K)ein Leben mit Drogen: Wenn Wahn und Beziehungslosigkeit das Leben bestimmen

    Jetzt informieren

    Coitus und Sucht – ein Teufelskreis aus Versagensängsten und Erfolgsdruck

    Jetzt informieren

    Dreiphasiges Therapie-Modell für einen erfolgreichen Drogenentzug

    Jetzt informieren

    Betty Ford Klinik fordert situationsgerechten Umgang mit Co-Abhängigkeit

    Jetzt informieren

    Meist verleugnet oder bagatellisiert: Sucht ist ein gefährliches gesellschaftliches Tabu

    Jetzt informieren

    Fachlich geprüft

    alle Inhalte der Webseite wurden von Ärzten geprüft

    Wissenschaftlicher Beirat

    • Unabhängige Beratung durch namhafte Mediziner der Suchtmedizin und Psychotherapie
    • Kontinuierliche Qualitätsverbesserungen unseres langjährig bewährten Therapiekonzepts
    • Regelmäßige Mitarbeiterschulungen gemäß neuesten suchtmedizinischen Erkenntnissen

    Über den wissenschaftlichen Beirat

    Mitglieder des wissenschaftlichen Beirats der MyWayBettyFord Klinik





      Bitte beachten Sie unsere Angaben zum Datenschutz.