Delirium tremens

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Aktualisiert am: 21.01.2021
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Alkoholentzugssyndrom mit lebensgefährlichen Folgen

Verwirrtheitszustände, Wahnvorstellung, Halluzinationen, unbestimmte Angstgefühle – ein Delirium tremens gehört zu den schlimmsten Folgen eines Alkoholentzugs und kann unbehandelt tödlich enden. Insbesondere bei einem sogenannten kalten Entzug tritt das Delir mit besonderer Häufigkeit auf. Was verbirgt sich hinter einem Alkoholdelir und wie können Alkoholiker sich davor schützen?

Was ist ein Delirium?

Ein Delir oder Delirium wird als hirnorganisches Psychosyndrom bezeichnet, d. h. im weitesten Sinne als Ausnahmezustand des Gehirns, welcher eine körperliche Ursache hat. Allgemein kann ein Delir durch verschiedene Ursachen wie zum Beispiel Infektionen, Traumata, Fieber ausgelöst werden oder eben im Rahmen eines Alkoholentzugs auftreten. Unbehandelt kann ein Delirium im schlimmsten Fall ins Koma führen oder auch Herzversagen und Atemstillstand auslösen. Im Normalfall ist deshalb eine intensivmedizinische Behandlung notwendig.

Delirium tremens Definition: Was ist ein Delirium tremens?

Das Delirium tremens bzw. Alkoholentzugsdelirium ist eine Sonderform des Delirs, das durch einen Alkoholentzug ausgelöst wird. Normalerweise macht sich diese Störung nach dem Absetzen von Alkohol im Rahmen eines Entzugs bemerkbar. Sie kann jedoch auch nach einem besonders intensiven Alkoholrausch auftreten. Die psychische Störung manifestiert sich beim Betroffenen auf verschiedenen Ebenen und betrifft unter anderem das Bewusstsein und die Wahrnehmung, das emotionale Empfinden, den Schlaf-Wach-Rhythmus und die Psychomotorik. Ebenso kann das vegetative System in Mitleidenschaft gezogen werden. Fälle eines akutes Delirium tremens sind auch im Zusammenhang mit Drogenentzügen bekannt. Ein Entzugssyndrom mit Delir erfordert genauso wie ein klassisches Delirium eine Behandlung mit intensivmedizinischen Maßnahmen. Ohne entsprechende Therapie kann die Störung zu akuter Lebensgefahr oder sogar zum Tod führen.

Wer erleidet ein Delirium tremens?

Betroffen von einem Entzugssyndrom mit Delir sind normalerweise Menschen, die über einen langen Zeitraum große Mengen Alkohol konsumiert haben und dann plötzlich mit dem Trinken aufhören. Hinsichtlich der Prävalenz sind Männer aufgrund des meist höheren Alkoholkonsums häufiger betroffen als Frauen. Insgesamt erleiden rund 15 % aller Alkoholiker, die einen kalten Entzug durchführen, ein Entzugssyndrom mit Delir. Bleibt die Erkrankung unbehandelt, beträgt die Letalität 20 %. Erfolgt eine intensivmedizinische Betreuung des deliranten Patienten, beträgt die Sterblichkeitsrate nur noch 2 %. Existieren zusätzlich zu der psychiatrischen Störung weitere gesundheitliche Einschränkungen, wie zum Beispiel Komorbiditäten durch den Alkoholkonsum, ist die Prognose ungünstiger. Das gilt auch, wenn ältere Menschen ein alkoholbedingtes Delirium erleiden.

Wann tritt ein Delirium bei Alkohol auf?

Die ersten Symptome des Delirs treten normalerweise 48 bis 72 Stunden nach dem letzten Konsum von Alkohol auf und können mehrere Wochen andauern. Bei den meisten Patienten erreicht das Delir nach vier Tagen seinen Höhepunkt und bildet sich anschließend wieder zurück. Andere Betroffene berichten von Symptomen wie Angst und Schlafstörungen, die sogar mehrere Wochen oder Monate nach dem erfolgreichen Entzug noch andauern können. Irreversible psychische und physische Schäden sind ebenfalls möglich.

Welche Symptome sind für ein Entzugssyndrom mit Delirium charakteristisch?

Die Symptome bei einem Entzugssyndrom mit Delirium variieren von Patient zu Patient und sind unterschiedlich stark ausgeprägt. In vielen Fällen treten im Vorfeld auch Entzugskrampfanfälle auf, gehören jedoch nicht zwingend dazu. Krampfanfälle zeigen nur die pathologische (krankhafte) Überempfindlichkeit des Gehirns, ein Risikofaktor für die Entstehung eines Delirs. Zu den häufigsten Symptomen eines voll ausgebildeten Deliriums gehören Gefühle der Angst, Orientierungsstörungen (örtlich, zeitlich, situativ, zur eigenen Person) und (vor allem optische) Halluzinationen. Oftmals wird versucht, eine stimmige Geschichte aus diesen Wahrnehmungen zu konstruieren, was wahnhaft wirkt. Die oft benannten weißen Mäuse oder Krabbeltierchen, die Patienten im Delir sehen, sind eine typische optische Halluzination des Delirs. Weitere Symptome sind eine psychomotorische Unruhe, starkes Zittern sowie Krämpfe, Bewusstseinstrübungen und Bewusstseinsstörungen, die bis zum Koma führen können. Hinzu kommen vegetative Symptome wie

  • Schwitzen
  • Bluthochdruck
  • beschleunigter Puls
  • erhöhte Atemfrequenz

Wie sieht bei einem Delirium tremens die Therapie aus?

Ein delirantes Syndrom infolge eines Alkoholentzugs erfordert eine sofortige Therapie, die durch den Einsatz von Medikamenten unterstützt wird. Benzodiazepine wie Oxazepam oder Wirkstoffe wie Clomethiazol wirken den vegetativen Entzugssymptomen entgegen und beruhigen zudem, während Haloperidol gegen Halluzinationen und Sinnestäuschungen sowie Carbamazepin gegen Krämpfe verabreicht werden. Wird das Entzugssyndrom von Hypertonie begleitet, empfiehlt sich zusätzlich Clonidin als Mittel gegen Entzugserscheinungen und Bluthochdruck. Zusätzlich kann es sinnvoll sein, ein Vitamin B1-Präparat zu verabreichen, um die Ausbildung einer Wernicke-Enzephalopathie zu verhindern. Darüber hinaus müssen sämtliche Vitalfunktionen des Patienten überwacht werden. Insbesondere der Blutzucker sowie das Enzym Creatinkinase gelten dabei als äußerst relevant. Kommt es zu einem Abfall des Blutzuckerspiegels und einer Hypoglykämie, kann dies zu Bewusstlosigkeit oder Koma führen. Bei einer ungünstigen Veränderung der Creatinkinase folgt möglicherweise eine Rhabdomyolyse (Muskelzerfall), der ein akutes Nierenversagen und weitere Komplikationen auslösen kann.

Wieso erhöht ein Delirium tremens die Rückfallgefahr bei einer Alkoholabhängigkeit?

Alkoholsüchtige, die von heute auf morgen damit aufhören, Alkohol zu trinken, und sich zu einem kalten Entzugsversuch entschließen, müssen mit vielen belastenden Entzugserscheinungen rechnen. Insbesondere das Entzugssyndrom mit Delir stellt eine enorm negative Erfahrung für die Patienten dar. Viele von ihnen greifen deshalb schon beim Auftreten der ersten Symptome wieder zur Flasche, um die akuten Verwirrtheitszustände, die quälenden psychischen Begleiterscheinungen, die Angst und die körperlichen Symptome zu beenden. Erfahrungsgemäß lassen die meisten der genannten Symptome nach dem neuerlichen Konsum von Alkohol umgehend nach. Der Suchtkranke wird dadurch in seiner Meinung bestätigt, dass er ohne den Alkohol schlechter dran sei. Aus Angst vor einem neuerlichen Alkoholdelir werden dann sogar Entzugsversuche in einer professionellen Alkoholentzugsklinik unterlassen. Die Betroffenen rutschen somit immer tiefer in die Suchtspirale.

Warum müssen Patienten bei einem klinischen Alkoholentzug viel seltener ein Delir befürchten?

Im Rahmen einer klinischen Therapie zu entziehen, verringert grundsätzlich alle Arten von Komplikationen und Störungen, die bei einem kalten Entzugsversuch ohne passende Medikamente und medizinische Betreuung auftreten können. Dafür gibt es mehrere Gründe. Die Vitalfunktionen und der Gesundheitszustand der Patienten werden rund um die Uhr überwacht. Sobald sich Komplikationen oder Schwierigkeiten andeuten, können umgehend die entsprechenden Maßnahmen umgesetzt werden, um die Störung zu beheben. Darüber hinaus hilft die medikamentöse Therapie von vornherein dabei Entzugserscheinungen zu minimieren. Durch die Gabe von Clomethiazol oder einem Benzodiazepin wie Oxazepam werden die vegetativen Entzugssymptome – zittern, schwitzen, innere Unruhe, erhöhter Blutdruck und Puls – gelindert, ein Krampfschutzmedikament beugt Entzugskrampfanfällen vor. Der Patient erlebt die Entgiftung als weitaus weniger beschwerlich. Nach wenigen Tagen sind sämtliche psychischen und körperlichen Symptome der reinen Entgiftung überstanden. Eine Alkoholsucht ist eine ernstzunehmende Erkrankung, die lebensbedrohliche Folgen haben kann. Gehen Sie hiermit nicht leichtfertig um und vertrauen Sie sich unserem kompetenten und erfahrenen Team aus Ärzten und medizinischem Personal an. Wir erklären Ihnen alles über die Therapie- und Entzugsmöglichkeiten in unserem Haus.

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