Alkoholsucht

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Aktualisiert am: 19.07.2022
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Alkoholsucht: alles Wichtige in 30 sec.

  • Alkoholsucht ist die häufigste und am meisten unterschätzte Suchterkrankung.
  • Die Suchtentwicklung erfolgt über einen längeren Zeitraum – der Konsum von Alkohol wird zur Gewohnheit.
  • Die Diagnose basiert auf den ICD-10 bzw. ICD-11-Kriterien der WHO, bestimmten Screening-Verfahren und Laboruntersuchungen.
  • Der langfristige Konsum kann nahezu alle Organe schädigen – am meisten betroffen ist die Leber.
  • Eine Suchterkrankung geht häufig mit psychischen Erkrankungen wie Depressionen oder Angststörungen einher.
  • Die Behandlung erfordert professionelle Hilfe, bestehend aus Entgiftung, Entwöhnung und ambulanter Nachsorge.
Inhalt

Wenn es ohne Alkohol nicht mehr geht

Obwohl die Alkoholsucht seit 1968 als Krankheit gilt, werden die gesundheitlichen und gesellschaftlichen Folgen im Gegensatz zur Nikotin- oder Drogensucht häufig verharmlost. Die gesundheitliche Aufklärung über die Gefahren des Alkohols fehlt in weiten Kreisen der Bevölkerung, Millionen Menschen trinken täglich Alkohol; die Grenzen zum Genusstrinken verlaufen fließend. So befindet sich nur ein geringer Teil aller Alkoholkranken in ärztlicher Behandlung, macht einen Alkoholentzug oder besucht Selbsthilfegruppen wie die Anonymen Alkoholiker, das Blaue Kreuz oder den Guttempler Orden. Was aber macht den Alkoholismus so gefährlich?

Allgemeine Informationen zur Alkoholabhängigkeit

Alkoholsucht: Was ist das?

Alkoholsucht: Wie kommt es dazu?Die Alkoholsucht (Alkoholabhängigkeit / Alkoholismus) ist die am weitesten verbreitete und am meisten verkannte substanzgebundene Abhängigkeit. Laut Jahrbuch Sucht 2017 beläuft sich die Zahl der Alkoholabhängigen in Deutschland auf rund 3,3 Millionen; die Dunkelziffer wird deutlich höher geschätzt. Sie verläuft schleichend, wird oft verleugnet und ist gekennzeichnet durch eine körperliche und psychische Abhängigkeit von Alkohol.

Warum ist Alkoholsucht eine Krankheit?

Es gilt als erwiesen, dass etwa die Hälfte aller Alkoholabhängigkeiten gemeinsam mit anderen psychischen Störungen auftreten wie Persönlichkeits- oder Angststörungen oder affektive Beeinträchtigungen. Die Entstehung der Alkoholsucht ist also keine Willensschwäche, sondern wird in den meisten Fällen durch multifaktorielle Prozesse und eine genetische Disposition hervorgerufen, auf die der Betroffene ohne eine Entzugstherapie keinen, oder nur einen geringen Einfluss hat.

Alkoholsucht-Ursachen

Alkoholsucht: Wie kommt es dazu?

Eine Alkoholabhängigkeit entwickelt sich über einen längeren Zeitraum hinweg und ist gekennzeichnet durch verschiedene Alkoholsucht-Phasen.

  • So wird das Trinken in der voralkoholischen Phase immer mehr als Problemlösungsstrategie genutzt und wird nach und nach zur Gewohnheit.
  • In der Einleitungsphase verschwimmen die Grenzen zum Alkoholmissbrauch und die Gedanken des Betroffenen kreisen mehr und mehr um den Alkoholkonsum.
  • In der kritischen Phase kommt es zum Kontrollverlust und zu Veränderungen der Persönlichkeit.
  • In der chronischen Phase nehmen die organischen Störungen und eine deutliche körperliche Abhängigkeit zu. Häufig kommt es zum sozialen Abstieg.

Alkoholsucht: Wer ist gefährdet?

Die Gründe, weshalb Menschen alkoholabhängig werden, sind noch immer nicht vollständig geklärt. Sie unterscheiden sich von Mensch zu Mensch und werden von den unterschiedlichsten Faktoren begünstigt, beispielsweise durch

  • psychische Erkrankungen,
  • Unzufriedenheit mit der aktuellen Lebenssituation oder
  • ein geringes Selbstwertgefühl.

Andere Alkoholiker greifen zur Flasche,

  • weil sie vom Stress an der Arbeit abschalten wollen,
  • weil sie die Symptome einer Angststörung betäuben möchten oder
  • weil ihr Partner sie verlassen hat und sie den Kummer nicht allein bewältigen können.

Der Umgang mit den eigenen Gefühlen ist also ein zentraler Punkt für die Entstehung von Alkoholismus. Schließlich ertragen Patienten mit Alkohol Probleme scheinbar besser und fühlen sich insgesamt stärker. Auch familiäre Faktoren spielen eine Rolle. So haben Alkoholiker-Kinder meist ein deutlich höheres Risiko, selbst abhängig zu werden, da eine gesundheitliche Aufklärung über die schädliche Wirkung von Alkohol fehlt und die Eltern ihnen den Alkoholismus gewissermaßen vorleben.

Alkoholsucht: Ein Fallbeispiel

Alkoholsucht: Wie Alkoholsucht nachweisen?Wie schnell aus einem regelmäßigen Alkoholkonsum ein chronischer Alkoholmissbrauch und schlimmstenfalls eine Alkoholabhängigkeit entstehen kann, unterschätzen die meisten Menschen eklatant. Schließlich trifft der abhängige Konsum von Alkohol nicht immer nur die anderen. Eine fiktive Fallgeschichte soll dieses Problem verdeutlichen und die einzelnen Phasen der Alkoholkrankheit näher beleuchten.

Vom gelegentlichen Konsum zur Alkoholabhängigkeit

Frau Meier (Name fiktiv) führt ein durchschnittliches Leben.

Nach dem Abschluss ihrer Ausbildung hat sie ihren langjährigen Partner geheiratet und kurze Zeit später bekam das Paar Nachwuchs. Frau Meier gab ihre Arbeit auf und kümmerte sich allein um die Kinder und den Haushalt, während ihr Mann in Vollzeit beschäftigt war.

Als die Kinder älter wurden und ihr immer mehr Freizeit zur Verfügung stand, begann sich Frau Meier zu langweilen und an ihrem Leben zu zweifeln. Zur Aufnahme ihres Ausbildungsberufes fühlte sie sich zu alt, etwas anderes hingegen hatte sie nie gelernt. Um das entstehende Gefühl der Wertlosigkeit und die ständigen Grübeleien zu betäuben, gönnte sich Frau Meier hin und wieder ein Gläschen Wein. Dieses hob ihre Laune im Nu und sie fühlte sich bereits nach wenigen Schlucken deutlich besser.

Zunächst trank sie nur an zwei oder drei Abenden wöchentlich ein Glas Wein. Ein paar Monate später waren daraus schon zwei oder drei Gläser täglich geworden. Tatsächlich schien der Alkohol auf Dauer nicht mehr so gut zu wirken, sodass Frau Meier die Dosis erhöhte. Irgendwann trank sie das erste Mal auch nachmittags – sie hatte in letzter Zeit immer so ein leichtes Zittern in den Händen bemerkt, das auf “wundersame Weise” verschwand, wenn sie sich nach dem Mittagessen ein paar Schlückchen Wein gönnte. Weshalb sollte sie nur am Abend gut gelaunt und munter sein? Viel schöner war es doch, wenn sie sich den ganzen Tag über gut fühlte. Schon nach dem Aufstehen freute sie sich deshalb auf den Augenblick, an dem sie das erste Mal etwas trinken konnte.

Aus Scham und Schuldgefühlen genoss Frau Meier den Alkohol heimlich. Die leeren Flaschen entsorgte sie meist direkt am nächsten Tag; gegen die leichte Fahne halfen Kaugummis oder stark gewürzte Gerichte. Über eine Alkoholabhängigkeit machte Frau Meier sich keine Gedanken – schließlich trank sie ja nie so viel, dass sie einen Vollrausch hatte. Außerdem konnte sie ja jederzeit wieder mit dem Trinken aufhören. Oder etwa nicht?

Diagnose der Alkoholsucht

Woran erkennt man eine Alkoholabhängigkeit?

Unser Fallbeispiel zeigt deutlich, wie schleichend eine körperliche und psychische Abhängigkeit von Alkohol entstehen kann: Zunächst beginnt alles ganz harmlos mit einem Gläschen Alkohol. Negative Gedanken werden beruhigt und gleichzeitig die Stimmung gehoben. Bereits nach wenigen Schlucken fühlen sich die Betroffenen besser.

Nach und nach entsteht eine Toleranz und der Körper benötigt immer mehr Alkohol, um dieselbe Wirkung zu verspüren. Im Falle von Frau Meier wird nun täglich und sogar tagsüber getrunken. Sie nimmt regelmäßig Alkohol zu sich, ihre Gedanken kreisen um das Suchtmittel. Bereits nach dem Aufwachen freut sie sich auf ihr erstes Glas Wein.

Kann sie aufgrund äußerer Umstände nicht trinken, leidet sie unter ersten körperlichen Entzugserscheinungen. Entgegen ihrer eigenen Auffassung ist Frau Meier mit großer Wahrscheinlichkeit bereits alkoholabhängig und bekommt ihren chronischen Alkoholkonsum vermutlich nicht mehr allein in den Griff. Durch diese Verleugnungsmechanismen sind es meist die Angehörigen, welche die ersten Anzeichen eines schädlichen Gebrauchs wahrnehmen und die Betroffenen auf das Thema Alkohol ansprechen.

Wie Alkoholsucht nachweisen?

Die medizinische Diagnose richtet sich grundsätzlich nach den Kriterien, die in der von der Weltgesundheitsorganisation herausgegebenen internationalen Klassifikation von Krankheiten (ICD 10) festgeschrieben sind. Demzufolge liegt eine Abhängigkeit immer dann vor, wenn irgendwann während des letzten Jahres drei oder mehr der folgenden Kriterien vorhanden waren:

  • Starkes oder zwanghaftes Verlangen, Alkohol zu konsumieren (Fachterminus: Craving)
  • Verminderte Kontrollfähigkeit bezüglich der Menge, des Beginns oder Endes des Konsums
  • Körperliche Entzugserscheinungen bei Konsumstopp oder Konsumreduktion
  • Nachweis einer Toleranz (um die gewünschte Wirkung hervorzurufen, sind zunehmend größere Mengen an Alkohol erforderlich)
  • Einengung des Denkens auf Alkohol (d. h. Vernachlässigung anderer Interessen zugunsten des Alkoholkonsums)
  • Anhaltender Substanzkonsum trotz gesundheitlicher und sozialer Folgeschäden für den Konsumenten, obwohl der Betroffene sich über die Art und das Ausmaß des Schadens bewusst ist.

Welche klinisch-psychologischen Screening-Verfahren gibt es konkret?

Befindet sich der Alkoholkranke bereits in ärztlicher Behandlung, werden die Laborwerte unter Beachtung alkoholassoziierter Marker ausgewertet. So ist das CDT (Carbohydrat-defizientes Transferrin) ein hochsensitiver Marker, der nur in Verbindung mit erhöhtem Alkoholkonsum ausgeschüttet wird. Häufig kommen auch Tests in Interview-Form zum Einsatz, um mittels spezifischer Fragen die Gefahr einer Abhängigkeitsentwicklung eingrenzen zu können. Die wohl bekanntesten sind der AUDIT-Test und der CAGE-Test.

Selbsttest Alkoholabhängigkeit

AUDIT (Alcohol Use Disorders Identification Test Babor et al., 2001)

Selbsttest Alkoholabhängigkeit

AUDIT (Alcohol Use Disorders Identification Test Babor et al., 2001)

1. Wie oft nehmen Sie ein alkoholisches Getränk zu sich?

2. Wenn Sie alkoholische Getränke zu sich nehmen, wieviel trinken Sie dann typischerweise an einem Tag?

(Hinweis: 1 Glas Alkohol entspricht 0,33 Liter Bier, 0,25 Liter Wein oder Sekt, 0,02 Liter Spirituosen)

3. Wie oft trinken Sie 6 oder mehr Gläser Alkohol bei einer Gelegenheit?

4. Wie oft haben Sie in den letzten 12 Monaten erlebt, dass Sie nicht mehr mit dem Trinken aufhören konnten, nachdem Sie einmal begonnen hatten?

5. Wie oft passierte es in den letzten 12 Monaten, dass Sie wegen des Trinkens Erwartungen, die man normalerweise an Sie hat, nicht mehr erfüllen konnten?

6. Wie oft brauchten Sie während der letzten 12 Monate am Morgen ein alkoholisches Getränk, um sich nach einem Abend mit viel Alkoholgenuss wieder fit zu fühlen?

7. Wie oft hatten Sie während der letzten 12 Monate wegen Ihrer Trink- gewohnheiten Schuldgefühle oder Gewissensbisse?

8. Wie oft haben Sie sich während der letzten 12 Monate nicht mehr an den vorangegangenen Abend erinnern können, weil Sie getrunken hatten?

9. Haben Sie sich oder eine andere Person unter Alkoholeinfluss schon einmal verletzt?

10. Hat ein Verwandter, Freund oder auch ein Arzt schon einmal Bedenken wegen Ihres Trinkverhaltens geäußert oder vorgeschlagen, dass Sie Ihren Alkoholkonsum einschränken?

Ihre Gesamtpunktzahl hat einen Summenwert von

Dieser Selbsttest dient einer ersten groben Einschätzung der eigenen Trinkgewohnheiten. Ein Summenwert von 8 oder mehr Punkten gilt als Hinweis für ein problematischen Alkoholkonsum. Wir empfehlen Ihnen, sich mit ihrem Hausarzt oder mit einer Alkoholberatung in Verbindung zu setzen.

CAGE-Interview

Das CAGE-Interview besteht aus vier Fragen. Wird mindestens eine davon bejaht, sollte die Diagnostik vertieft werden.

  • C – Cut down: Ist der Patient häufig niedergeschlagen, auch nach dem Alkoholkonsum?
  • A – Annoyed: Reagiert er genervt oder leicht reizbar auf Fragen zu seinem Trinkverhalten?
  • G – Guilty: Hat er Schuldgefühle wegen des Alkoholkonsums?
  • E – Eye Opener: Benötigt er die Substanz, um morgens „in die Gänge“ zu kommen?

Folgen der Alkoholsucht

Was passiert in Körper und Gehirn nach Alkoholkonsum?

Nach dem Alkoholkonsum wird das Suchtmittel über die Schleimhäute des Magen-Darm-Traktes absorbiert und erreicht nach rund 30 bis 60 Minuten die höchste Konzentration im Blut.

Das Blut verteilt den Alkohol im gesamten Körper und im Gehirn, wo er den Informationstransfer der Nervenzellen verändert. Während er in geringen Mengen stimulierend wirkt, verkehrt sich seine Wirkweise bei höherer Dosierung ins Gegenteil und hemmt die Informationsübertragung. In Abhängigkeit von der Dosierung wird der Neurotransmitter Dopamin freigesetzt und wirkt stimmungshebend auf die Psyche.Bei längerfristigem Alkoholkonsum verändern sich Anzahl und Wirkung bestimmter Rezeptoren, so dass bei einem plötzlichen Absetzen der Substanz gravierende Fehlregulationen auftreten und zu den gefürchteten Entzugserscheinungen führen können.

Abgebaut wird der Alkohol hauptsächlich über die Leber, lediglich rund 2 bis 5 % des reinen Alkohols werden über den Atem, Schweiß und Urin ausgeschieden. Die durchschnittliche Abbauzeit liegt stündlich bei rund 0,1 bis 0,2 Promille.

Welche akuten Risiken bestehen nach einer akuten Alkoholintoxikation?

Kurzfristig macht sich exzessiver Alkoholgenuss durch Konzentrations- und Reaktionsstörungen bemerkbar, die eine erhöhte Unfallgefahr verursachen können. Bei Menschen, die nur eine geringe Alkoholtoleranz besitzen, können aber auch bereits kleine Mengen einen Rausch hervorrufen. Bei vielen Konsumenten führt ein erhöhter Alkoholspiegel außerdem zu Aggressionen und Gewalttätigkeit.

Je höher die konsumierten Alkohol-Promille, umso höher ist das Risiko für den Betroffenen.

  • Ab 3,0 Promille kann es zu Bewusstlosigkeit und schwacher Atmung kommen,
  • ab 4,0 Promille besteht akute Lebensgefahr.

Welche Auswirkungen hat der Alkoholkonsum auf die Nährstoffversorgung des Körpers?

  • Regelmäßiger Alkoholkonsum verursacht Reizungen und Entzündungen der Magen- und Darmschleimhäute und hemmt dadurch die Aufnahme von Nährstoffen.
  • Ebenso werden vermehrt wasserlösliche Vitamine und Mineralien über den Urin ausgeschieden.
  • Es ist bekannt, dass Alkohol den Verlust vieler Mineralien begünstigt, beispielsweise von Zink, Calcium und Magnesium.

Daher sollten alkoholkranke Menschen verstärkt auf eine gesunde Ernährung mit viel Obst, Gemüse und Vollkorn achten und ggf. in Absprache mit dem behandelnden Arzt Mikro-Nährstoffe einnehmen.

Welche Folgen hat der Alkoholismus langfristig?

Alkoholsucht: Welche Begleiterkrankungen sind möglich?Grundsätzlich kann ein zu hoher Alkoholkonsum über eine längere Zeit sowohl körperliche als auch seelische Probleme hervorrufen. Bedingt durch die Verteilung im gesamten Körper, kann es bei nahezu allen Organen zu krankhaften Zellveränderungen kommen. Allgemeine Komplikationen im Zusammenhang mit der Alkoholabhängigkeit sind meistens Intoxikationen und Entzugssyndrome.

Organschäden betreffen in erster Linie die Leber und können sich in einer Fettleber, Leberentzündung oder auch Leberzirrhose äußern. Aber auch Erkrankungen des oberen Verdauungstraktes, z. B. der Speiseröhre, des Magens und der Bauchspeicheldrüse und Schädigungen des Herz-Kreislaufsystems entstehen häufig aus einer Alkoholabhängigkeit.

Hirnatrophien wie das Wernicke-Korsakow-Syndrom und Muskelatrophien sind in vielen Fällen ebenfalls auf einen längeren Alkoholmissbrauch zurückzuführen. Studien zufolge besteht ebenfalls eine erhöhte Gefahr für Mund-, Rachen- und Speiseröhrenkrebs; bei Alkoholikerinnen erhöht sich das Brustkrebsrisiko.

Welche Begleiterkrankungen sind möglich?

Auch die Psyche verändert sich durch die Alkoholsucht, so dass psychische Begleiterkrankungen auftreten können. Hier spricht man auch von Komorbiditäten. So kann es zu

  • Kognitiven Abbauprozessen,
  • Wahrnehmungsstörungen,
  • Depressionen,
  • Angstzuständen und einer
  • erhöhten Suizidgefahr

kommen. Eine unterstützende Psychotherapie schafft Vertrauen in die eigene Stärke und mindert die Angst, ohne das Suchtmittel nicht auszukommen. Die Wahrnehmung der eigenen Gefühle wird verbessert und adäquate Problemlösungen gefunden.

Behandlung der Alkoholabhängigkeit

Was ist die Grundvoraussetzung für eine erfolgreiche Alkoholismus-Behandlung?

Der Weg aus einer Alkoholabhängigkeit ist nur dann möglich, wenn die Betroffenen eine Krankheitseinsicht ausbilden. Sie müssen selbst erkennen, dass sie ein Alkoholproblem haben und dieses aktiv angehen wollen. Hier spricht man auch von Abstinenzmotivation.

Alkoholsucht: Wer hilft?

Die ersten Schritte bei Alkoholproblemen führen in vielen Fällen zum Hausarzt, der je nach Schwere der Symptome eine Kurzintervention oder die Einweisung in eine Alkoholentzugsklinik empfehlen kann. Ebenso können eine Suchtberatungsstelle oder Selbsthilfegruppen wie die Anonymen Alkoholiker oder das Blaue Kreuz Hilfe und Orientierung bieten.

Unabhängig von der jeweiligen Anlaufstelle sollte die Suchtberatung so zeitnah wie möglich stattfinden, um psychische Folgen wie etwa Depressionen oder Ängste, Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Schäden des Magen-Darm-Trakts zu vermeiden. Auch die sozialen Folgen exzessiven Alkoholkonsums können durch einen rechtzeitige Suchttherapie so gering wie möglich gehalten werden. Scham muss dabei niemand empfinden. Schließlich gilt die Alkoholabhängigkeit nach ICD-10 und DSM-5 als Krankheit.

Was kann man gegen eine Alkoholabhängigkeit tun?

Wer in eine Alkoholabhängigkeit gerutscht ist, muss neben der körperlichen Entgiftung auch die Gründe und Ursachen für seine Erkrankung bearbeiten, um langfristig “trocken” zu werden. Schließlich entwickeln Personen, die mit beiden Beinen fest im Leben stehen und in sich stabil sind, deutlich seltener eine Alkoholabhängigkeit. Ein qualifizierter Alkoholentzug erfolgt daher immer in zwei Stufen und beinhaltet eine Entgiftung und Entwöhnung / Suchtrehabilitation. Beide Maßnahmen sollten nach Möglichkeit stationär mit einer anschließenden ambulanten Nachsorge durchgeführt werden.

Entgiftung

Der Konsum von Alkohol wird unter ärztlicher Überwachung beendet, sodass der Körper vollständig vom Alkohol und seinen Abbaustoffen entgiftet wird. Während dieser Zeit kann es zu Entzugserscheinungen kommen, die je nach Patient unterschiedlich stark ausgeprägt sein können. Um Komplikationen aufgrund des Entzugssyndroms vorzubeugen, werden die Vitalfunktionen engmaschig überwacht und die Entzugserscheinungen durch Medikamente gelindert. Achtung: Ein kalter Entzug, d. h. eine Entzugsbehandlung ohne ärztliche Überwachung und medikamentöse Unterstützung, kann durch die gravierenden Entzugssymptome lebensgefährlich sein. Daher sollten Patienten auf keinen Fall eigenmächtig mit dem Trinken aufhören.

Entwöhnung

Nach der Beendigung der körperlichen Abhängigkeit steht die psychische Entwöhnung auf dem Plan, während der die Patienten lernen müssen, ihr starkes Verlangen (Craving) nach Alkohol in den Griff zu bekommen. Mithilfe therapeutischer Unterstützung werden hier die Ursachen der Alkoholkrankheit identifiziert und behandelt und alternative Lösungsstrategien inklusive Rückfallprävention erarbeitet. Sollten Patienten mit Alkoholkrankheit zusätzlich an begleitenden psychischen Erkrankungen (Komorbiditäten) leiden, werden diese gemeinsam mit der Sucht behandelt.

Nachsorge

Nach dem stationären Aufenthalt unterstützt eine ambulante Nachsorge dabei, das in der Entzugsklinik Erlernte beizubehalten und einen Rückfall Alkohol zu verhindern. Dazu gehören hauptsächlich eine ambulante Psychotherapie und – wenn möglich – der Besuch einer Selbsthilfegruppe wie die Anonymen Alkoholiker oder das Blaue Kreuz. Auch die Einbindung der Familie und des sozialen Umfelds ist hilfreich für die erfolgreiche Behandlung von Alkoholmissbrauch und Alkoholismus. Daher findet in den meisten Fachkliniken eine aktive Angehörigenarbeit statt.

Welche Klinik ist die richtige bei Alkoholsucht?

Die Suchttherapie erfolgt nach den S3-Leitlinien zur Behandlung der Alkoholsucht und ist – unabhängig von der behandelnden Klinik – in ihren Grundzügen gleich. Dennoch gibt es zwischen den einzelnen Einrichtungen einige Unterschiede.

Entzug in öffentlichen Einrichtungen

Da der Alkoholismus eine anerkannte Krankheit ist, hat jeder Abhängige den Anspruch auf eine qualifizierte Suchtbehandlung, deren Kosten von öffentlichen Leistungsträgern übernommen werden. Die Akutbehandlung, d. h. die Entgiftung, erfolgt in öffentlichen Krankenhäusern mit Suchtstation oder psychiatrischen Einrichtungen. Die Suchtrehabilitation / Entwöhnung zählt zu den Leistungen der Rentenversicherung und muss zunächst beantragt werden. Daher liegen in den meisten Fällen zwischen Entgiftung und Entwöhnung mehrere Wochen, in denen das Risiko für einen Rückfall durch die nicht überwundene psychische Abhängigkeit extrem hoch ist. Eine Ausnahme bietet das Nahtlosverfahren, das in der Praxis aber eher selten zur Anwendung kommt.

Entzug in privaten Einrichtungen

In privaten Entzugskliniken Alkohol verläuft die Therapie (Entgiftung und Entwöhnung) in der Regel in zwei eng verzahnten Behandlungsschritten und findet bei denselben Ärzten und Therapeuten statt. Die Einrichtung muss nicht gewechselt werden, was psychische Sicherheit und Vertrauen bei den Patienten schafft. Darüber hinaus sind Privatkliniken nicht an den Tagessatz und die Vorgaben öffentlicher Kostenträger gebunden, sodass die Therapie der Sucht meist individueller und intensiver verläuft.

Alkoholsucht: Wann sollten sich die Betroffenen qualifizierte Hilfe suchen?

Je früher Patienten mit Alkoholproblemen eine Therapie beginnen, desto besser. Selbst, wenn gemäß ICD 10 noch keine Alkoholsucht vorliegt, ist es bereits bei ein oder zwei erfüllten ICD-Kriterien sinnvoll, sich professionelle Unterstützung zu suchen. So kann in vielen Fällen die Entwicklung einer Alkoholkrankheit oder zumindest das Fortschreiten der Erkrankung verhindert werden. Wurde die Krankheit bereits diagnostiziert, sollten die Betroffenen ihr Suchtproblem schnellstmöglich behandeln lassen.

Gibt es Medikamente gegen die Alkoholsucht?

Im Gegensatz zu vielen anderen Erkrankungen gibt es keine Medikamente, um eine Alkoholabhängigkeit zu behandeln. Eine vollständige Heilung ist durch das Suchtgedächtnis nicht möglich, so dass das Verlangen nach alkoholischen Getränken immer mal wieder aufflackern wird. Der Königsweg zur Abstinenz führt immer über einen Alkoholentzug, in dem die Betroffenen lernen, dieses zu beherrschen und Rückfälle zu vermeiden. Bei starker Ausprägung der Sucht und langjährigem riskanten Alkoholkonsum können im Ermessen der Suchtklinik oder des behandelnden Arztes nach dem Entzug Anti-Craving-Substanzen wie Nalmefen, Naltrexon, Baclofen oder Acamprosat verordnet werden. Diese behandeln allerdings nicht die Alkoholsucht, sondern helfen den betroffenen Alkoholikern lediglich, ihr Verlangen zu beherrschen.

Alkoholabhängigkeit: Wie können Angehörige helfen?

Die Alkoholsucht ist eine “Familienkrankheit”, d. h. sie betrifft immer auch das engste soziale Umfeld. In einigen Fällen entwickeln die Partner durch bestimmte Interaktionsmuster eine sogenannte Co-Abhängigkeit mit hohem Leidensdruck. Um einem Suchtkranken wirklich helfen zu können, müssen sich die betroffenen Angehörigen in erster Linie auf sich selbst und ihr Wohlbefinden konzentrieren. Schließlich kann man anderen nur dann helfen, wenn man selbst stark und psychisch stabil ist.

Für den Umgang mit einem Alkoholiker ist es wichtig, die Sucht als Krankheit anzuerkennen und Schuldzuweisungen zu vermeiden. Stattdessen sollte der Abhängige ruhig und empathisch auf die Suchtproblematik angesprochen werden. Seien Sie zur Stelle, wann immer Hilfe benötigt wird, und unterstützen Sie Anläufe in Richtung Abstinenz! Dabei sollten die Erwartungen allerdings nicht zu hoch ausfallen werden, denn Rückschritte gehören zum Wesen einer Sucht.

Wie sind die Behandlungsprognosen der Alkoholkrankheit?

Ein qualifizierter Alkoholentzug öffnet den Weg in Richtung Abstinenz. Dennoch kann es durch das Suchtgedächtnis nach der Entzugsbehandlung zu Rückfallen kommen. Diese sollten nicht als Scheitern aufgefasst, sondern zum Anlass genommen werden, um den Alltag und die aktuelle Lebenssituation im Hinblick auf suchtauslösende Faktoren neu zu bewerten. Darüber hinaus sollte schnellstmöglich – wenn erforderlich, durch einen weiteren Entzug – eine erneute Abstinenz angestrebt werden. Insgesamt sind lange Abstinenzphasen trotz eines Rückfalls als Erfolg zu betrachten und begünstigen eine körperliche und psychische Regeneration.

Wie schnell regeneriert sich der Körper nach überwundener Alkoholabhängigkeit?

Eine Alkoholtherapie mit anschließender Alkoholabstinenz lohnt sich immer, auch bei fortgeschrittener Alkoholsucht. Schließlich können sich die meisten Organe nach einem Alkoholentzug wieder regenerieren oder zumindest deutlich stabiler werden. Obwohl die Regenerationsfähigkeit vom Einzelfall abhängt, gibt es einige grobe Richtwerte für die Dauer der Regeneration.

  • So erstarkt das Immunsystem in der Regel wieder nach zwei bis vier Wochen, ebenso steigt die Schlafqualität.
  • Nach vier Wochen verbessert sich das Hautbild und der Blutdruck
  • Der Magen erholt sich meist nach ein bis zwei Monaten Abstinenz, ebenso das Gehirn. Hier übernehmen nach und nach gesunde Gehirnteile die Funktionen geschädigter Gehirnzellen.
  • Die Leber und die Blutwerte stabilisieren sich nach sechs Wochen.

Ihr Kontakt zur My Way Betty Ford Privatklinik

Eine Alkoholsucht ist kein unentrinnbares Schicksal, sondern kann durch eine qualifizierte Alkoholtherapie gut unter Kontrolle gebracht werden. Neben unserer sehr intensiven und empathischen Betreuung und der schonenden Entgiftung bieten wir Ihnen:

  • ein langjährig bewährtes und zertifiziertes Therapiekonzept
  • die Entgiftung und Entwöhnung in einem Behandlungsschritt
  • maximale Diskretion und Anonymität durch Aliasnamen
Person steigt eine Treppe herauf und hält eine Fahne in der Hand. Auf einem Schild steht JA zum suchtfreien Leben.






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