Opiatabhängigkeit

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Aktualisiert am: 05.10.2021
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Opiatabhängigkeit: alles Wichtige in 30 sec.

  • Opiate und Opioide werden aus dem Milchsaft der Samenkapsel des Schlafmohns gewonnen; Opioide werden synthetisiert.
  • Beide Substanzgruppen blockieren die Weiterleitung von Schmerzsignalen; ein Teil ruft zudem Glücksgefühle hervor.
  • Die Suchtgefahr wird durch die euphorisierende Wirkung erhöht; Folgen sind u. a. Infektionen, Abszesse, Unterernährung & Bradykardie.
  • Psychische Folgen sind Angststörungen, Depressionen und Psychosen. Außerdem besteht das Risiko einer tödlichen Überdosierung.
  • Die Abhängigkeit wird nach den Kriterien des ICD-10 diagnostiziert; behandelt wird sie durch eine Suchttherapie.
  • Diese besteht aus einer Entgiftung, einer Entwöhnung und einer ambulanten Nachsorge und sollte stationär erfolgen.
Inhalt

Eine Sucht mit vielen Gesichtern

Opiate und Opioide gehören für viele zum täglichen Leben dazu. Wer als Schmerzpatient auf die stark wirksamen Analgetika angewiesen ist und diese über einen langen Zeitraum einnimmt, riskiert, früher oder später einer Abhängigkeitserkrankung zu erliegen. Diese ergibt sich oft unverschuldet, kann jedoch ebenso die Folge des bewussten missbräuchlichen Konsums von Tabletten, Tropfen oder Injektionen sein. Zu wissen, wie eine Opiatabhängigkeit entsteht und was sie mit Körper und Psyche anstellt, kann helfen sie zu überwinden.

Opiatabhängigkeit: Was ist das?

Wer unter einer Opiatabhängigkeit leidet, ist süchtig nach Opiaten oder Opioiden. Beide Arten von Substanzen sind eng miteinander verwandt und werden aus dem Milchsaft der Samenkapsel des Schlafmohns gewonnen. Dazu gehören beispielsweise die Wirkstoffe Morphin und Codein, die auch als Opiate bezeichnet werden und im menschlichen Körper eine schmerzstillende Wirkung auslösen. Weitere medizinisch wirksame Substanzen lassen sich aus Inhaltsstoffen des Schlafmohnes synthetisieren, also künstlich herstellen. Diese werden Opioide genannt. Sie wirken genauso wie ihre natürlich vorkommenden Verwandten auf das zentrale Nervensystem des Menschen und blockieren dort die Weiterleitung von Schmerzsignalen. Dabei rufen einige von ihnen Nebeneffekte hervor, die Glücksgefühle auftreten oder Ängste und Depressionen verschwinden lassen. Genau diese “Nebenwirkungen” vergrößern das Risiko für Abhängigkeit und Missbrauch. Typisches Beispiel: Heroin, ein Opioid, das einst als Schmerzmittel entwickelt wurde, heutzutage aber nur noch missbräuchlich als Rauschgift konsumiert wird.

Während Heroin als illegale Droge ausschließlich auf dem Schwarzmarkt erhältlich ist, werden Medikamente mit opioiden Inhaltsstoffen von einem Arzt verschrieben. Das ändert jedoch nichts daran, dass sowohl Opioide als auch Opiate Suchterkrankungen hervorrufen können. Ob absichtlich durch einen Missbrauch herbeigeführt oder unwissentlich durch die Einnahme von Medikamenten ausgelöst – die Abhängigkeiten unterscheiden sich grundsätzlich nicht stark voneinander. Die Patienten werden durch ein permanentes Verlangen nach der Substanz gequält. Der Druck auf Körper und Psyche ist derart stark, dass die Betroffenen das Suchtmittel sogar dann weiter konsumieren, wenn sich die durch die Einnahme verursachten Schäden nicht mehr leugnen lassen.

Drogenmissbrauch oder Medikamentensucht?

Wenn es um den Missbrauch von Opiaten und Opioiden geht, gibt es zwei unterschiedliche Arten von Abhängigkeiten. Die eine ist als Medikamentensucht zu bewerten, die unabsichtlich durch die Einnahme von Analgetika verursacht wird. Daneben gibt es aber zahlreiche Menschen, die Opiate wissentlich und bewusst als Rauschmittel missbrauchen. Diese Personengruppen sind nicht auf der Suche nach Schmerzfreiheit, sondern konsumieren die oft illegal auf dem Schwarzmarkt erworbenen Medikamente vorrangig für einen Drogenkick. Sie möchten sich betäuben, euphorisierende Effekte spüren oder anderweitig bewusstseinsverändernde Erfahrungen erleben. Viel zu oft landen die Betroffenen früher oder später beim Heroin. Doch auch andere Opiate werden vermehrt als Rauschgifte missbraucht. In diesem Zusammenhang ist neben Oxycodon und Morphin das insbesondere in den USA gefürchtete Fentanyl zu erwähnen. So sind allein im Jahr 2016 mehr als 42.000 Menschen in den Vereinigten Staaten an einer Opioid-Überdosis gestorben.

Wie äußert sich eine Opiatabhängigkeit?

Patienten, die aufgrund starker chronischer Schmerzen eine Behandlung mit opioiden Analgetika durchführen, bemerken nach der ersten Einnahme meist schnell eine Besserung ihres Zustandes. Die Arzneimittel führen dazu, dass die Schmerzen nachlassen, negative Gefühle verschwinden und das Leben plötzlich lebenswerter scheint. Doch sobald die Wirkung nachlässt, kehren die vorherigen Symptome mit unverminderter Heftigkeit wieder zurück. Um den schmerzfreien Zustand so lange es geht aufrecht zu erhalten, möchten die Betroffenen so schnell wie möglich die nächste Pille oder die nächste Injektion konsumieren – und hier beginnt sich die Abwärtsspirale zu drehen.

Eine Abhängigkeitserkrankung im Sinne des ICD-10 liegt dann vor, wenn Betroffene unter anderem ein starkes, unüberwindbares Verlangen hegen, das Suchtmittel einzunehmen (Craving), wenn sie den Gebrauch des Mittels nicht mehr oder nur noch bedingt kontrollieren können (Kontrollverlust) und wenn sie die Einnahme selbst dann nicht einschränken, wenn negative Auswirkungen des Konsums klar zu erkennen sind. Das bedeutet, dass sich bei den Opiatabhängigen früher oder später alles nur noch um die Einnahme der Substanzen dreht und sie die Dosierungshinweise nicht mehr beachten. In dieser Hinsicht unterscheiden sich Opiatabhängige, die nach Schmerzmitteln süchtig sind, nicht von Suchtkranken, die illegale Drogen wie Heroin oder das Opioid Fentanyl konsumieren. Weitere meist untrügliche Merkmale für eine Suchterkrankung sind die Toleranzentwicklung und das Auftreten von Entzugserscheinungen, wenn der Suchtstoff nicht regelmäßig zugeführt wird.

Wie sehen die Entzugssymptome bei einer Opiatabhängigkeit aus?

Bei Opiatabhängigen, die unter dem Entzugssyndrom leiden, ist das vollständige Ausmaß der Symptome davon abhängig, wie lange, wie viel und was sie konsumieren. Generell ist die Liste der möglichen unangenehmen Begleiterscheinungen, die der Verzicht auf das Suchtmittel mit sich bringt, lang. Dazu zählen u. a.:

  • Tränende Augen
  • Muskel- und Knochenschmerzen
  • Muskelzuckungen und Krämpfe
  • Fieber
  • Durchfall, Magenkrämpfe, Erbrechen
  • Beschleunigter Puls und beschleunigte Atmung
  • Schock

Die ersten Entzugssymptome treten in Form von Angst und Konsumzwang meist innerhalb von 4 bis 6 Stunden nach dem letzten Substanzkonsum auf. Nach und nach kommen weitere Symptome hinzu; die komplette körperliche Entgiftung – und damit auch das Entzugssyndrom – sind nach rund 14 Tagen abgeschlossen.

Was sind die Folgen einer Opiatabhängigkeit?

Wenn Patienten die Behandlung mit Medikamenten aus der Gruppe der Opiate ohne ärztliche Indikation fortführen oder Präparate als Rauschmittel missbrauchen, setzen sie sich enormen physischen und psychischen Risiken aus. Die Folgen einer Opiatsucht können verheerend sein. Gerade weil die Gefahr einer Überdosierung groß ist, versterben viele der Abhängigen, noch bevor sie mithilfe einer Therapie den Weg zurück in ein normales Leben gefunden haben. Laut der Gesundheitsberichterstattung des Bundes starben allein in Deutschland im Jahr 2016 insgesamt 1.333 Menschen an Rauschgift. Der Großteil dieser Todesopfer geht auf das Konto der Droge Heroin. Doch auch wenn der Drogen- oder Medikamentenmissbrauch nicht in den Tod führt, ist mit schwerwiegenden Folgen zu rechnen. Typische Folgeerscheinungen sind unter anderen:

  • Infektionen (Hepatitis B, Hepatitis C, AIDS)
  • Abszesse
  • Unterernährung
  • Psychische Störungen
  • Schwund von Gedächtnis- und Konzentrationsleistung
  • Atemdepression
  • Verlangsamter Herzschlag (Bradykardie)
  • Engstellung der Pupillen (Miosis)
  • Verstopfung

Zu den psychischen Störungen, die häufig als begleitende Probleme bei einer Sucht auftreten, gehören Angststörungen und Depressionen, ebenso wie Psychosen mit Wahnvorstellungen, Halluzinationen und Paranoia. Nicht alle Folgeerkrankungen sind reversibel.

Wie verläuft die Behandlung einer Opiatabhängigkeit?

Die Abhängigkeit nach Opiaten jedweder Form sollte schnellstmöglich behandelt werden. Von einem kalten Entzug muss angesichts des hohen Risikos und der vielen unangenehmen Begleiterscheinungen allerdings prinzipiell abgeraten werden. Schließlich sind die körperlichen Symptome ohne eine medikamentöse Unterstützung kaum zu lindern und verlaufen für den Betroffenen äußerst qualvoll. So befindet sich der Opiatabhängige in einem absoluten emotionalen Ausnahmezustand.

Vielfach wird Heroin auch durch Methadon oder Polamidon (opioidgestützte Entgiftung) ambulant substituiert, was aber aufgrund des hohen Suchtpotenzials beider Stoffe mittlerweile medizinisch umstritten ist. Wenn gesundheitlich möglich, sollte daher auf eine Substitution verzichtet werden.

Als alternative Behandlung steht Patienten, die ihre Sucht überwinden wollen, die Möglichkeit einer umfassenden Entzugstherapie mit Entgiftung und Entwöhnung offen. Diese geht in der Regel mit einem stationären Aufenthalt in einer professionellen Suchtklinik einher. Dort erfolgt zunächst die reine Detoxikation, die im Rahmen der Behandlung durch die Gabe von Medikamenten hinsichtlich der unangenehmen Entzugssymptome gestützt wird. So können Benzodiazepine wie Diazepam gegen Angst oder Z-Substanzen wie Zopiclon oder Zolpidem für eine Schlafinduktion eingesetzt werden. Der körperliche Entzug ist nach gut 2 Wochen beendet. Hieran schließt sich die therapeutisch begleitete Entwöhnung an, bei der die Überwindung der psychischen Abhängigkeit im Fokus steht. Dieser Teil der Therapie nimmt weitaus mehr Zeit in Anspruch. Die Integration von Familienangehörigen in die Therapie kann in diesem Zusammenhang durchaus sinnvoll und förderlich sein.

Der Behandlung der Opiatabhängigkeit schließt sich eine umfassende ambulante Nachsorge und unter Umständen eine Behandlung mit den Opioidantagonisten Naloxon oder Naltrexon an. Beide Wirkstoffe blockieren den Effekt bzw. Kick von Heroin und helfen auf diese Weise das Craving zu verringern.

Ihr Kontakt zur My Way Betty Ford Privatklinik

Als Suchtklinik sind wir auf den Drogenmissbrauch und die Medikamentensucht spezialisiert und behandeln sowohl Patienten, die von Schmerzmitteln abhängig sind als auch Betroffene, die Opiate und Opioide zu Rauschzwecken einnehmen. Wir bieten Ihnen:

  • ein langjährig bewährtes und zertifiziertes Therapiekonzept
  • die Entgiftung und Entwöhnung in einem Behandlungsschritt
  • maximale Diskretion und Anonymität durch Aliasnamen
Person steigt eine Treppe herauf und hält eine Fahne in der Hand. Auf einem Schild steht JA zum suchtfreien Leben.






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    “Bestmöglich den Weg aus der sucht schaffen” – issuu, Juni 2019

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    „Bestmöglich den Weg aus der Sucht schaffen“ – Veröffentlichung zum Thema „Frauengesundheit“ als Beilage zur Welt, Juni 2019

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    „Beim Verzicht zählt jeder Tag“ – Focus Online, Januar 2019

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    „Entgiften Sie Ihren Körper: Schluss mit Alkohol, Zigaretten & Co.“ – Gesundes Bayern, November 2018

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    „Wie Stars mit der Betty-Ford-Methode von Drogen loskommen“ – Focus, August 2018

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    „Wo die Promis ihre Süchte bekämpfen: So verläuft die Therapie in der Betty Ford Klinik“ – Stern, August 2018

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    „My Way Betty Ford Klinik setzt auf Diskretion“ – infranken.de, Juli 2013

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    „Suchtklinik für Manager” – Deutschlandradio, November 2006

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    „Agenda: Trinker in Nadelstreifen“ – Financial Times Deutschland, November 2006

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