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Außenansicht der MyWayBettyFord Klinik

„Agenda: Trinker in Nadelstreifen“ – Financial Times Deutschland, November 2006

Leistungsdruck und Männerklüngel treiben viele Führungskräfte in den Suff. Eine Klinik in Nordbayern hat sich darauf spezialisiert, alkoholkranke Manager zu behandeln. Die Therapie ist teuer, aber diskret.

Endlich Urlaub! Vier Wochen. Gute Reise, wünschen die Kollegen und ahnen nicht, dass ihr Chef weder nach Mallorca fährt noch an die italienische Riviera. Bernd Meyers (Name von der Redaktion geändert) Ziel ist Bad Brückenau bei Fulda.
(…) An einem Berghang am Ostrand steht eine klassizistische Villa, die My Way Betty Ford Klinik. 15 Privatpatienten – Juristen, Unternehmer, Manager – kämpfen hier gegen ihre Sucht nach Alkohol.
Bernd Meyer ist einer von ihnen. Als der Ingenieur in seiner Firma zum Bereichsleiter von 600 Mitarbeiten aufsteigt, ist er bereits seit sechs Jahren Alkoholiker. Er wundert sich nicht über seine Beförderung. „Mein Alltag bestand aus Konferenzen, und um einen eloquenten Redebeitrag war ich auch alkoholisiert nie verlegen“, sagt der 50-Jährige. Meyer versammelt gute Leute um sich, mit seinen Zahlen kann er glänzen – auch wenn er zwischendurch mal eine Runde mit dem Auto dreht, um unbemerkt eine Flasche Wodka zu leeren. Es geht schon. Irgendwie. Das ist die eine Seite.
Das ist die andere: Jeden Morgen wacht Meyer verkatert auf. Ihm kotzübel, der kalte Schweiß bricht ihm aus. Meyers Kinder erleben die Zusammenbrüche ihres Vaters. Seine Frau droht, sich scheiden zu lassen. „Da habe ich eingesehen, dass ich Hilfe brauche“, sagt Meyer.

Trocken in vier Wochen

Eine herkömmliche Therapie, wie sie in vielen Kliniken angeboten wird, kommt für den Manager nicht infrage. Bis zu drei Monate dauert die Behandlung. Das ist Meyer zu lange. Er will in vier Wochen wieder in der Firma sein – trocken. Und er will mit Leuten zusammen sein, die seine Situation kennen, seine Sprache sprechen. „Ein Manager mit einem Führungsproblem und ein Hartz-IV-Empfänger, der nicht weiß, was er morgen auf dem Teller hat, teilen das gleiche furchtbare Schicksal“, sagt Sabine Radtke, Ärztin in der My Way Betty Ford Klinik. „Aber die können einander einfach nicht verstehen.“

Die Klinik in Bad Brückenau hat sich als erste in Deutschland auf Patienten wie Meyer spezialisiert. Namensgeber ist die kalifornische Betty-Ford-Klinik, in der die drogenkranke Hollywood-Prominenz therapiert wird. Hier in Nordbayern kümmern sich fünf Ärzte, zwei Psychologen, drei Fachtherapeuten und fünf Pflegekräfte im Rahmen einer „Intensivtherapie“ um die Patienten aus der Wirtschaft. Kosten: 435 Euro pro Tag. „Die privaten Krankenversicherungen übernehmen das“, sagt Gründer und Geschäftsführer Klaus-Dirk Kampz. „Aber viele Patienten zahlen lieber selbst, damit nicht einmal ihre Versicherung von der Sucht erfährt.“
Diskretion ist ein wichtiges Argument der Klinik. Damit die Arbeitgeber nichts merken erhalten die Patienten virtuelle Briefkästen am vermeintlichen Urlaubsziel. Wer will, kann für die Behandlung einen Decknamen bekommen. Und Kollegen, die den Patienten telefonisch im Urlaub erreichen wollen, werden von einem Callcenter mit freundlichen Ausreden abgewimmelt. Die Geheimniskrämerei ist für die Patienten meist existenziell. Viele Arbeitgeber verhalten sich gegenüber ihren Topleuten nicht grade zimperlich, wenn sie spitzbekommen, dass diese nur mit einem Mindestpegel Alkohol im Blut funktionieren: „Erste Abmahnung, zweite Abmahnung – und das war’s“, fasst Kampf die Erfahrungen von Managern zusammen, die in ihrer Firma mit ihrer Sucht aufgeflogen sind und in Bad Brückenau Heilung suchen. Nur in Ausnahmefällen hätten Unternehmen alkoholkranke Führungskräfte von sich aus in die Klinik geschickt. „Die werden meist allein gelassen“, sagt Rolf Hüllinghorst, Geschäftsführer der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen.
5,8 Millionen Bundesbürger verwenden Alkohol und Medikamente missbräuchlich. Jeder 20. Mitarbeiter deutscher Unternehmen ist von Rauschmitteln abhängig. Manager in Führungspositionen gelten als besonders suchtgefährdet. Und je schneller sie aufsteigen, des eher droht der Fall in den Suff. „Führungskräfte wollen immer Lösungen anbieten und nach vorn gehen“, sagt Götz Bundle, ärztlicher Geschäftsführer der Oberbergkliniken, die in ihren drei Häusern auch Manager mit Suchtproblemen behandeln. „Viele Führungskräfte wurden immer auf Leistung gedrillt. Die Beziehungsfähigkeit tritt in den Hintergrund.“ Und die Flasche in den Vordergrund.
Der Weg aus der Abhängigkeit wird den Patienten in Bad Brückenau so angenehm wie möglich gemacht. Anders als in der vergleichsweise spartanischen amerikanischen Betty-Ford-klinik, wo selbst Diva Liz Taylor im Doppelzimmer nächtigen musste, genießen therapiewillige Alkoholkranke in der deutschen Klinik Hotelkomfort. Nach einigen Tagen im Entzugsraum, wo Ärzte die Begleiterscheinungen der plötzlichen Abstinenz mit Medikamenten lindern und ihn rund um die Uhr überwachen, kommt Bernd Meyer in sein Einzelzimmer.
Warmes Holz, dicker Teppichboden, Plasmafernseher. Zum ersten Mal fühlt sich der Entzug tatsächlich ein bisschen wie Urlaub an. Im Speisesaal wird das Essen á la carte serviert. Meyer kann den Wellnessbereich eines nahe gelegenen Hotels besuchen oder sich in Klubräumen mit anderen Patienten treffen. „Unsere Gäste sollen hier alle Annehmlichkeiten finden, die sie gewohnt sind“, sagt Klinikchef Kampz.
Das soll die Erfolgsaussichten der Therapie steigern, die sich am Programm der Anonymen Alkoholiker orientiert. Bernd Meyer muss in Bad Brückenau lernen, sich auf andere einzulassen, sich vor anderen zu Schwächen und Fehlern zu bekennen. Anders als viele Alkoholabhängige ist der Ingenieur dazu bereit. Beim Mittagessen stellt ihm sein Therapeut die Gruppe vor: elf Führungskräfte mit ganz ähnlichen Suchtkarrieren. Ein Notar ist darunter und ein weiterer leitender Ingenieur. Die Begründung für den Absturz lautet bei allen ähnlich: Stress, Leistungsdruck, zu viele Termine.

Zwei Flaschen Wein täglich

Jeden Tag sitzen die zwölf für 90 Minuten beisammen im Seminarraum, der sich mit seinem schlichten Mobiliar und dem Flipchart neben dem Fenster vom Konferenzzimmer eines Unternehmens kaum unterscheidet. Sie berichten von ihrem Doppelleben las perfekt funktionierende Rädchen eines Systems und als ausgebrannte Wracks, die einfach nicht mehr können.
Meyer hört zu und erzählt selbst: von seinem 15-Stunden-Tag, den Hunderten von Autobahnkilometern auf den Wochendheimfahrten zur Familie, von seinem Anspruch, Mitarbeiter fair zu behandeln. Vielleicht ist gerade dieses Bemühen sein Fehler. „Diese knallharten Cheftypen, die, ohne mit der Wimper zu zucken, Leute entlassen, werden keine Alkoholiker“, sagt er. Doch so einer will er nicht sein. Abends sitzt er erschöpft in seiner Wohnung und versucht abzuschalten. Er will einfach nur ins Bett fallen, einschlafen. Dabei helfen ihm anfangs ein paar Gläser Wein, wenige Monate später braucht er dafür schon zwei volle Flaschen. Jeden Tag.
Und dann die Geschäftsessen, Sektempfänge und Barbesuche, die in seiner Position dazugehören. Seine Mitarbeiter sind überwiegend Männer, die Sauftouren für völlig normal halten. „Da spielen alte Rollenbilder mit rein“, sagt Meyer.
Ob in seiner Firma jemand etwas von seiner Sucht geahnt hat? „Ich weiß es nicht.“
Nach der Gesprächsrunde töpfern die Führungskräfte wie früher in der Schule. Manche gehen zur Musiktherapie. Meyer hat seine Gitarre in die Klinik mitgebracht und singt mit der Gruppe „We are the Champions“. Und es kommt ihm nicht komisch vor. „Es wurde normal miteinander umgegangen“, stellt er später nüchtern fest.
„Die Führungskräfte können sich in der Gruppe mehr öffnen, weil sie unter ihresgleichen sind“, sagt Gruppentherapeut Bernd Thränhardt. Die Einzelkämpfer stellen mit einem Mal fest, dass andere „Macher“ der Sucht genauso hilflos gegenüberstünden. „Hier entstehen Freundschaften“, sagt Thränhardt, „vielleicht sogar Netzwerke.“ Für die Zeit danach.

Quelle: Financial Times Deutschland, November 2006

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