Borderline und Alkohol

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Aktualisiert am: 12.11.2021
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Borderline und Alkohol: alles Wichtige in 30 sec.

  • Borderline-Patienten leiden an einer sehr instabilen Gefühlswelt und einem negativen Selbstbild.
  • Dadurch bedingt greifen sie häufig zu Alkohol, Drogen oder anderen psychoaktiven Substanzen.
  • Durch den Konsum erhöht sich das Risiko für Selbstverletzungen und Suizid.
  • Gleichzeitig wird die Bewältigung der Krankheit schwieriger und das Risiko für die Entwicklung einer Alkoholsucht steigt.
  • Ist es zu einer Sucht gekommen, müssen Alkoholabhängigkeit und Borderline gleichzeitig behandelt werden.
  • Nach der Entgiftung werden besonders der dialektisch-behavioralen Therape (DBT) gute Erfolgschancen zugeschrieben.
Inhalt

Wenn die Gefühle Achterbahn fahren

Impulsive Handlungen, starke Stimmungsschwankungen und eine gestörte Selbstwahrnehmung – viele verschiedene Symptome kennzeichnen eine Borderline-Persönlichkeitsstörung (BPS). Hierbei handelt es sich um eine psychische Erkrankung, von der nach Expertenschätzung zwischen 2 % und 6 % der deutschen Bevölkerung betroffen sind. Wer an Borderline erkrankt ist, hat jedoch häufig nicht nur mit den negativen Begleiterscheinungen dieser Krankheit zu kämpfen, sondern lebt zusätzlich mit dem großen Risiko eine Suchterkrankung zu entwickeln. Studien zeigen, dass dies bei mehr als 70 % aller Borderline-Patienten der Fall ist. Besonders die Kombination aus Borderline und Alkohol ist häufig anzutreffen.

Was ist eine Borderline-Persönlichkeitsstörung?

Für das Borderline-Syndrom gibt es verschiedene Namen. Heute spricht man in der Regel von einer emotional instabilen Persönlichkeitsstörung des Borderline-Typus. In der Vergangenheit aber waren auch Namen wie “Randpsychose” oder “Pseudoschizophrenie” für dieses Krankheitsbild geläufig. Dies zeigt bereits, wie vielseitig und schwer greifbar die Krankheit aus medizinischer Sicht ist. Tatsächlich dauert es oft Jahre, bevor die richtige Diagnose gestellt und die Borderline-Störung erkannt wird. Insbesondere wegen der vielen Komorbiditäten, d. h. Krankheiten, die gemeinsam mit dem Syndrom auftreten, wird es für Ärzte und Therapeuten häufig schwer, die zugrundeliegende Borderline-Persönlichkeit beim Patienten zu erkennen.

Typische Symptome, unter denen Menschen mit einer Borderline-Persönlichkeit leiden, sind eine hohe Instabilität der eigenen Gefühlswelt, die Unfähigkeit stabile und “gesunde” Beziehungen zu den Mitmenschen zu führen sowie ein negatives Selbstbild. Häufig gehen die psychischen Symptome mit Handlungen einher, die impulsiv und entsprechend wenig kontrollierbar sind. Dazu gehören unter anderem

  • Drogenmissbrauch (dazu zählen neben illegalen Drogen auch Alkohol und Medikamente)
  • Riskante sexuelle Kontakte
  • Gefahrenträchtige Autofahrten
  • Selbstverletzungen
  • Suizidversuche

Unbehandelt kann eine Borderline-Erkrankung auf lange Sicht zu einer starken Einschränkung der Lebenstüchtigkeit führen. Zudem steigt das Risiko eines suizidalen Verhaltens im Laufe der Zeit an. Auch das Auftreten von Folgeerkrankungen wie Depressionen, Angststörungen und Suchterkrankungen wird größer.

Weshalb greifen Menschen mit Borderline zu Alkohol?

Wer unter einer extremen Persönlichkeitsstörung wie dem Borderline-Syndrom leidet, hat im Alltag mit vielen verschiedenen Begleiterscheinungen dieser Krankheit zu kämpfen. Zahlreiche Borderline-Patienten greifen impulsiv zu Alkohol, Drogen oder anderen Substanzen, die auf den eigenen Körper negative Auswirkungen haben. Die mangelnde Impulskontrolle gehört zum typischen Krankheitsbild. Wer an Borderline erkrankt ist, hat ein stark vergrößertes Risiko eine stoffgebundene Sucht zu entwickeln. Das betrifft neben Alkohol auch verschiedene andere Drogen wie etwa Cannabis oder Heroin. Ebenso häufig tritt bei Borderline-Betroffenen eine Medikamentensucht auf. Darüber hinaus gibt es auch diverse nicht stoffgebundene Süchte, denen Borderline-Patienten erliegen können. Hierzu gehören unter anderem Spiel-, Sex-, Kauf- oder auch Internet-Sucht.

Warum sogenannte Borderliner vor allem gern zu alkoholischen Getränken greifen, ist relativ einfach zu erklären. Alkohol gehört zu den legalen psychoaktiven Substanzen und ist hierzulande praktisch an jeder Ecke zu bekommen. Wer ihn trinkt, greift aktiv in den eigenen Neurotransmitter-Stoffwechsel ein und sorgt dafür, dass Glückshormone ausgeschüttet werden. Angst und Selbstzweifel verschwinden mit jedem Glas, das man zu sich nimmt. Plötzlich scheint das Leben trotz der Krankheit deutlich leichter, die selbstzerstörerischen Gedanken verschwinden. Genau aus diesem Grund wird Alkohol bei Borderline häufig als Selbstmedikation eingesetzt. Es scheint, als könnten die Patienten die Symptome ihrer Störung und ihre Verhaltensprobleme dadurch zumindest zeitweilig reduzieren. Auf lange Sicht ist dies jedoch ein Trugschluss – die Folgen des missbräuchlichen Alkoholkonsums können bereits nach kurzer Zeit dramatisch für Körper und Geist werden.

Warum sollten Menschen mit Borderline keinen Alkohol trinken?

Wer an Borderline erkrankt ist und zusätzlich an einer Alkoholsucht leidet, verschlechtert seine Aussichten, die Krankheit in den Griff zu bekommen. Das liegt unter anderem an den Folgen, die schädlicher Alkoholkonsum im Körper bewirken kann. Schließlich sorgen alkoholhaltige Getränke im zentralen Nervensystem dafür, dass die Ausschüttung der Glücksgefühle hervorrufenden Neurotransmitter konstant hochgehalten wird. Als Folge reduziert der Körper die eigene Produktion dieser Botenstoffe. Sobald die Alkoholzufuhr beendet ist, dauert es einen individuell langen Zeitraum, bis die Produktion wieder vollständig normalisiert ist. Diese Zeitspanne erleben Borderliner als besonders bedrückend. Sie haben das Gefühl, noch weniger Freude in ihrem Leben empfinden zu können. Die bereits im Vorfeld empfundene innere Leere, die sie mit dem Alkohol zu füllen versucht haben, weitet sich aus. Bei Borderline und Alkoholkonsum erhöht sich das Risiko für selbstverletzendes Verhalten und Suizidversuche. Darüber hinaus kommen zusätzlich die verschiedenen körperlichen und psychischen Folgen einer Abhängigkeit ins Spiel.

Mit welchen sozialen Folgen haben abhängige Borderliner zu kämpfen?

Borderliner haben Probleme damit die Welt ihrer Gefühle in Ordnung zu bringen. So sind Borderline-Beziehungen oft durch eine ungesunde Abhängigkeit gekennzeichnet. Doch auch wenn eine stabile Partnerschaft gegeben ist, können Betroffene diese mit ihrer Alkoholsucht gefährden. Wer den eigenen Partner im Rausch wieder und wieder vor den Kopf stößt oder ihn letztendlich sogar in eine Co-Abhängigkeit zwingt, muss auf lange Sicht mit einer Trennung rechnen. Das ist nicht nur bei Borderline-Patienten der Fall, sondern auch bei vielen anderen Menschen, die an einer Sucht erkrankt sind. Bei Menschen mit dieser Persönlichkeitsstörung sind jedoch die Auswirkungen der Sucht deutlich heftiger.

Was tun bei Borderline und Alkoholabhängigkeit?

Wer sich in eine Therapie begibt, um die Borderline-Störung zu behandeln, muss zeitgleich auch die eigene Alkoholsucht therapieren. Deshalb ist zunächst ein ärztlich begleiteter Alkoholentzug notwendig. Um diesen so schonend wie möglich durchstehen zu können, ist es in einer Alkoholentzugsklinik möglich, die Entzugserscheinungen durch geeignete Medikamente so gering wie möglich zu halten. Zugleich können Ängste und Depressionen medikamentös gelindert werden. Aufgrund des hohen Suchtrisikos sollte dabei allerdings nach Möglichkeit auf Benzodiazepine verzichtet werden.

Sobald der körperliche Entzug vollzogen ist, wird die Behandlung der Borderline-Persönlichkeitsstörung und möglicher Begleiterkrankungen gemeinsam mit der psychischen Alkoholentwöhnung durchgeführt. Gute Ergebnisse hat in diesem Zusammenhang die dialektisch-behaviorale Therapie (DBT) erzielt, durch die die betroffenen Menschen lernen, ihre Gefühle zu steuern, bevor sie außer Kontrolle geraten. Ebenso werden konstruktive Denkmuster als Ersatz für negative Glaubenssätze eingeübt, Traumata psychologisch aufgearbeitet, alternative Lösungen zum Alkoholkonsum erlernt und ein tragfähiges Nachsorgekonzept erstellt. Dabei wird die Therapie individuell auf den Borderliner abgestimmt.

Ihr Kontakt zur My Way Betty Ford Privatklinik

In unserer Klinik werden auch der Borderline-Partner und die Familie des Betroffenen in die Behandlung einbezogen. Dies kann Menschen mit Borderline-Syndrom dabei helfen, gesunde und stabile Beziehungen neu zu erlernen und schneller in ein Leben ohne die Krankheit und ohne die Sucht zurückzufinden. Wir bieten Ihnen:

  • ein langjährig bewährtes und zertifiziertes Therapiekonzept
  • die Entgiftung und Entwöhnung in einem Behandlungsschritt
  • maximale Diskretion und Anonymität durch Aliasnamen
Person steigt eine Treppe herauf und hält eine Fahne in der Hand. Auf einem Schild steht JA zum suchtfreien Leben.






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