Alkohol und Jugendliche

Lesezeit:
Aktualisiert am: 04.02.2021
Kontinuierlich neue Inhalte im Suchtratgeber Alkohol

Fachlich geprüft

alle Inhalte der Webseite wurden von Ärzten geprüft

Alkohol und Jugendliche: alles Wichtige in 30 sec.

  • Alkoholkonsum im Jugendalter ist weit verbreitet, die Folgen werden häufig unterschätzt und sind mitunter irreversibel.
  • Schließlich befinden sich Körper und Psyche noch im Wachstum und sind besonders anfällig für Schäden durch Alkohol.
  • Hirnregionen, die für Gedächtnis, Lernfähigkeit und emotionale Bewertungen zuständig sind, können beeinträchtigt werden.
  • Alkoholvergiftungen, Leberschäden, Depressionen, Persönlichkeitsstörungen und Psychosen sind möglich.
  • Auch die soziale Entwicklung kann durch übermäßigen Alkoholkonsum eingeschränkt werden.
  • Wichtig sind eine gesundheitliche Aufklärung, ein verbesserter Jugendschutz & die rechtzeitige Therapie des Trinkverhaltens.
Inhalt

Erschreckende Zahlen und hohe Risiken

Auch wenn die Zahlen der Jugendlichen, die regelmäßig Alkohol trinken, in den letzten Jahren rückläufig waren, ist der insgesamt hohe Alkoholkonsum bei den 12- bis 17-jährigen deutschlandweit noch immer ein großes Problem. Schließlich belegt Deutschland hier im internationalen Vergleich einen der vorderen Plätze. Zudem nehmen die negativen Folgen von zu viel Bier, Wein und anderen Alkoholika unter Jugendlichen zu. So mussten beispielsweise im Jahr 2014 mehr als 22.000 Jugendliche mit einer akuten Alkoholvergiftung stationär behandelt werden. Doch nicht nur diese Zahlen sind alarmierend. Ebenso werden viele andere gesundheitliche Schäden, die Alkohol bei jungen Menschen hervorrufen kann, unterschätzt.

Wie häufig trinken Jugendliche Alkohol?

Rund um den Konsum alkoholischer Getränke bei Jugendlichen gibt es viele Statistiken, von denen die meisten alarmierend sind. So konsumiert der durchschnittliche deutsche Jugendliche zwischen 13 und 14 Jahren das erste Mal Alkohol und neun von zehn Jugendlichen im Alter von 16 und 17 Jahren geben an, schon einmal Alkohol getrunken zu haben. Rund ein Viertel der Jugendlichen erklärt zudem, regelmäßig – also mindestens einmal in der Woche – zu trinken. Darüber hinaus pflegen rund zehn Prozent der 16- und 17-Jährigen einen derart hohen Alkoholkonsum, dass dieser ebenfalls für Erwachsene als riskant einzustufen wäre. Das ist insbesondere deshalb so dramatisch, weil die langfristigen Auswirkungen auf den noch in der Entwicklung befindlichen Körper des jungen Menschen deutlich negativer ausfallen als bei Erwachsenen. Eltern, Lehrer und Behörden sollten das Thema Alkohol und Jugendschutz deshalb nicht auf die leichte Schulter nehmen. Schließlich sind die Gefahren des Alkoholkonsums besonders gravierend für das jugendliche Gehirn.

Warum trinken so viele Jugendliche Alkohol?

Zum normalen Erwachsenwerden gehört das Austesten der eigenen Grenzen. Der Kontakt mit Alkohol im Jugendalter ist deshalb zunächst einmal nicht grundlegend erschreckend oder alarmierend. Jugendliche, die in dieser Phase ihres Lebens moderate Alkoholerfahrungen machen und einen vorsichtigen Alkoholkonsum pflegen, bilden häufig unbedenkliche Konsummuster aus, die sie oftmals über viele Jahre hinweg beibehalten. Wer allerdings im Jugendalter exzessiv trinkt und häufig große Mengen Alkohol konsumiert, behält dieses Trinkverhalten erfahrungsgemäß auch als junger Erwachsener bei. Dies kann alkoholbedingte gesundheitliche Schäden hervorrufen und / oder in eine Alkoholabhängigkeit führen.

Doch warum pflegen so viele minderjährige Mädchen und Jungen einen riskanten Alkoholkonsum? Dafür gibt es verschiedene Ursachen. Das soziale Umfeld kann genauso eine Rolle spielen wie Persönlichkeitsmerkmale oder gesundheitliche Voraussetzungen. Häufig ist es die Peer Group, die den übermäßigen Alkoholkonsum vorgibt. Jugendliche, die sich mit Gleichaltrigen (oder Älteren) umgeben, die häufig trinken, greifen mit großer Wahrscheinlichkeit selbst zur Flasche. Auch junge Erwachsene, die aus Familien mit einem Alkoholiker stammen, haben den Hang dazu, selbst einen gefährlichen Konsum an den Tag zu legen. Darüber hinaus können Stress in der Schule, Probleme mit den Eltern und viele weitere Faktoren einen bedenklichen Alkoholkonsum begünstigen. Mangelndes Selbstbewusstsein, Entwicklungsverzögerungen oder psychische Probleme können bei älteren Kindern bzw. Jugendlichen ebenfalls dazu führen, dass sie Alkohol als Ventil ansehen.

Inwiefern schadet der Alkoholkonsum den Jugendlichen?

Gegen ein gelegentliches Glas Wein, Sekt oder eine Flasche Bier ist laut Jugendschutzgesetz nichts einzuwenden. Die Abgabe ist gesetzlich geregelt. Ab einem Alter von 16 Jahren dürfen Mädchen und Jungen Bier, Sekt und Wein kaufen. Für harte Spirituosen wie zum Beispiel branntweinhaltige Getränke müssen sie hingegen 18 Jahre alt sein. Welche Mengen an alkoholischen Getränken die Betroffenen anschließend zu sich nehmen, kann jedoch kaum jemand kontrollieren. Eine Höchstmenge bei der Abgabe gibt es nicht bzw. eine derartige Kontrolle wäre gar nicht möglich. Doch je häufiger Jugendliche Alkohol trinken, je größer die Alkoholmengen und je jünger die Kinder sind, umso schädlicher erweisen sich die Folgen für ihre Gesundheit. Dies lässt sich vor allem darauf zurückführen, dass Körper und Psyche der jungen Leute sich noch in der Entwicklung befinden. Teilweise sind alkoholinduzierte Schäden im jungen Alter so gravierend, dass die Betroffenen auch als Erwachsene noch unter ihnen leiden müssen. Insbesondere die Auswirkungen auf die Gehirnentwicklung sind in einigen Fällen irreversibel. Besonders problematisch wird der Alkoholgebrauch, wenn zusätzlich Drogen wie Kokain oder Cannabis konsumiert werden.

Schädliche Folgen für das Gehirn, die Psyche und den Körper

Das Gehirn von Kindern und Jugendlichen wird durch den regelmäßigen Konsum alkoholischer Getränke besonders in Mitleidenschaft gezogen. Normale Entwicklungsprozesse werden durch den Einfluss der toxischen Substanz verlangsamt oder komplett unterbunden. Das betrifft vor allem Hirnregionen, die für das Gedächtnis, die Lernfähigkeit oder auch emotionale Bewertungen zuständig sind. Unter den Folgen leiden die Betroffenen in der Regel ein Leben lang, wie jüngste Untersuchungen herausgefunden haben.

Weil Kinder und Jugendliche sich zudem meist noch in der Wachstumsphase befinden und häufig über ein verhältnismäßig geringeres Körpergewicht als Erwachsene verfügen, verteilt sich der Alkohol anders im Körper. Dadurch kann es schneller zu einer Alkoholvergiftung, aber ebenso zu Leberschäden und anderen Folgeerkrankungen kommen. Mit Blick auf die Psyche können Depressionen, Persönlichkeitsstörungen, aber auch Psychosen auftreten. Viele dieser Erkrankungen erfordern eine jahrelange psychotherapeutische und oft eine medikamentös begleitete Behandlung.

Zudem ist das jugendliche Gehirn anfälliger für die Entwicklung einer Sucht bzw. anders formuliert: entwickelt sich eine Sucht bereits im Jugendalter, ist diese besonders tief verwurzelt, hartnäckig und schwer zu bekämpfen.

Nachteilige Folgen für die soziale Entwicklung

Kinder und Jugendliche müssen eine Reihe wichtiger Sozialisierungsprozesse durchlaufen, um als gefestigte Individuen und selbstbewusste Persönlichkeiten ins Erwachsenenalter eintreten zu können. Der Konsum von Alkohol kann die normalen Entwicklungsverläufe im Rahmen der Sozialisation beeinträchtigen. Insbesondere wenn Alkohol als Problemlöser verwendet wird, das Selbstbewusstsein puschen soll oder die Auffassung von allgemein gültigen Werten und Normen verschiebt, kann es zu Entwicklungsverzögerungen kommen, die das Leben der Betroffenen nachhaltig prägen können. Darüber hinaus kann der ritualisierte und fast schon zwanghafte Gebrauch alkoholischer Getränke eine derart dominante Rolle im Leben der Jugendlichen einnehmen, dass andere Erfahrungsbereiche stark eingeschränkt werden. Auch dies kann negative Entwicklungstendenzen verstärken.

Andere Konsequenzen des Alkoholkonsums bei minderjährigen Personen

Ob Binge Drinking am Wochenende mit den Freunden oder heimliches Trinken, um den Liebeskummer zu überdecken – abgesehen von den gesundheitlichen und entwicklungspsychologischen Konsequenzen kann der häufige Konsum alkoholischer Getränke auch anderweitige Schäden hervorrufen. So steigt bei Kindern und Jugendlichen, die Alkohol getrunken haben, häufig die Risikobereitschaft. Daraus können Unfälle im Straßenverkehr, Verletzungen oder eine gesteigerte Anzahl sexueller Kontakte resultieren. Ungewollte Schwangerschaften oder Infektionen mit sexuell übertragbaren Krankheiten häufen sich. Probleme in der Schule, mit den Eltern oder Freunden stehen bei Jugendlichen mit auffälligem Alkoholkonsum regelmäßig auf der Tagesordnung. Bisweilen geraten die Betroffenen mit der Polizei oder dem Gesetz in Konflikt, denn die Hemmschwelle, etwas „anzustellen“ ist durch den Alkohol stark erniedrigt.

Wie kann man Jugendliche vor Alkohol schützen?

Im Zusammenhang mit der gesundheitlichen Aufklärung spielt insbesondere das Image von Alkohol in der Öffentlichkeit eine Rolle. Solange Bier, Wein oder andere alkoholhaltige Getränke zu trinken als “cool” oder “lässig” gilt, werden junge Frauen und Männer weiterhin zu diesen Getränken greifen. Im Sinne des verbesserten Jugendschutzes sollte deshalb nicht nur die Abgabe alkoholhaltiger Getränke und Lebensmittel an Minderjährige kontrolliert werden. Es muss auch ein gesellschaftliches Umdenken stattfinden, das Alkohol als das identifiziert, was es ist: eine zell- und nervenschädigende toxische Substanz, die große gesundheitliche Schäden hervorrufen kann. Über die möglichen Gefahren aufzuklären, ist ein wichtiger Bestandteil zur Verhinderung von Alkoholabhängigkeit im Jugendalter.

Sollten Kinder und Jugendliche jedoch bereits ein problematisches Trinkverhalten entwickelt haben bzw. Anzeichen einer Alkoholsucht aufweisen, ist es wichtig, umgehend die richtigen Maßnahmen zu ergreifen. Hier liegt es vor allem an den Eltern ihre Kinder zu einem Alkoholentzug zu motivieren. Um Rückfälle zu verhindern, sollten sowohl eine körperliche Entgiftung als auch eine psychische Entwöhnung stattfinden, in der sich der Jugendliche intensiv mit den Ursachen seiner Alkoholabhängigkeit auseinandersetzt und alternative Strategien zum Suchtmittelkonsum trainiert. Es gilt zu lernen, dass der Alkohol weder Probleme löst noch den Konsumenten cooler wirken lässt.

Ihr Kontakt zur My Way Betty Ford Privatklinik

Sprechen Sie uns bitte an, wenn Sie Hilfe für sich oder Ihr Kind benötigen! Wir stehen Ihnen gerne für ein persönliches Gespräch zur Verfügung und bieten Ihnen:

  • ein langjährig bewährtes und zertifiziertes Therapiekonzept
  • die Entgiftung und Entwöhnung in einem Behandlungsschritt
  • maximale Diskretion und Anonymität durch Aliasnamen
Person steigt eine Treppe herauf und hält eine Fahne in der Hand. Auf einem Schild steht JA zum suchtfreien Leben.





    Lesen Sie auch

    Ab wann ist man Alkoholiker?

    Alkoholentzug

    Alkohol-Aggression

    Alkohol

    Alkoholabhängigkeit nach ICD-10

    Alkoholabhängigkeit

    Alkoholabstinenz

    Alkoholentzug und Sport

    Alkoholentzug-Dauer

    Aktuelle Seminare zum Thema Alkoholentzug

    Fortbildungsveranstaltung “Sucht & Depression” am 27.03.2021 in Hamburg

    Jetzt informieren

    MITTEILUNG „UPDATE DER MY WAY BETTY FORD KLINIK® ZU COVID-19“

    Jetzt informieren

    Pressemitteilung “Erfolgreiche Rezertifizierung der My Way Betty Ford Klink®”

    Jetzt informieren

    Pressemitteilung “Die My Way Betty Ford Klinik® jetzt mit Wissenschaftlichem Beirat”

    Jetzt informieren

    Stellungnahme: Beeinflusst ein Ausgang während der Therapie den Therapieerfolg

    Jetzt informieren

    Aktuelle Fachbeiträge zum Thema Alkoholentzug

    Suchtverhalten wird häufig durch psychische Erkrankungen ausgelöst

    Jetzt informieren

    Legalisierter Cannabis-Konsum und das Risiko chronischer Psychosen

    Jetzt informieren

    (K)ein Leben mit Drogen: Wenn Wahn und Beziehungslosigkeit das Leben bestimmen

    Jetzt informieren

    Coitus und Sucht – ein Teufelskreis aus Versagensängsten und Erfolgsdruck

    Jetzt informieren

    Dreiphasiges Therapie-Modell für einen erfolgreichen Drogenentzug

    Jetzt informieren

    Betty Ford Klinik fordert situationsgerechten Umgang mit Co-Abhängigkeit

    Jetzt informieren

    Meist verleugnet oder bagatellisiert: Sucht ist ein gefährliches gesellschaftliches Tabu

    Jetzt informieren

    Fachlich geprüft

    alle Inhalte der Webseite wurden von Ärzten geprüft

    Wissenschaftlicher Beirat

    • Unabhängige Beratung durch namhafte Mediziner der Suchtmedizin und Psychotherapie
    • Kontinuierliche Qualitätsverbesserungen unseres langjährig bewährten Therapiekonzepts
    • Regelmäßige Mitarbeiterschulungen gemäß neuesten suchtmedizinischen Erkenntnissen

    Über den wissenschaftlichen Beirat

    Mitglieder des wissenschaftlichen Beirats der MyWayBettyFord Klinik





      Bitte beachten Sie unsere Angaben zum Datenschutz.