Alkoholvergiftung

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Aktualisiert am: 18.03.2021
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Alkoholvergiftung: alles Wichtige in 30 sec.

  • Von einer Alkoholvergiftung spricht man immer dann, wenn die Hirnfunktionen durch Ethanol massiv eingeschränkt werden.
  • Die Vergiftung verläuft in vier unterschiedlichen Stadien: Exzitation, Hypnose, Narkose und Asphyxie.
  • Ausschlaggebend für das jeweilige Stadium ist die Höhe der Blutalkoholkonzentration, die in Promille angegeben wird.
  • Eine schwere Intoxikation erfordert schnellstmögliche Hilfe und einen Aufenthalt auf der Intensivstation.
  • Meist steht sie im Zusammenhang mit Sucht oder Missbrauch, so dass der Betroffene sein Trinkverhalten überdenken sollte.
  • Bei Sucht ist ein klassischer Alkoholentzug unabdingbar, bei Missbrauch eine Entwöhnungstherapie.
Inhalt

Wenn der Körper Hilfe braucht

Statistiken zufolge trinken 96,4 Prozent aller Menschen im Alter zwischen 18 und 64 Jahren regelmäßig Alkohol. Vielfach geht dabei jedes Maß verloren. So hat sich in den letzten Jahren vor allem die Anzahl der Jugendlichen, die wegen einer akuten Alkoholvergiftung im Krankenhaus behandelt wurden, nahezu verdoppelt. Komasaufen und Binge-Drinking gelten als hipp und finden vor allem am Wochenende in der Gemeinschaft mit anderen Jugendlichen statt. Ein gefährliches Spiel, denn ab einer bestimmten Alkoholkonzentration im Blut führt eine Alkoholvergiftung unweigerlich zum Tod.

Ab wann wird von einer Alkoholvergiftung gesprochen?

Grundsätzlich spricht man von einer Alkoholvergiftung, wenn die Hirnfunktionen durch eine Überdosis Ethanol massiv eingeschränkt sind. Dabei spielt es keine Rolle, ob sich um eine akute Vergiftung durch einmaligen Alkoholkonsum oder eine chronische Alkoholvergiftung im Rahmen einer Alkoholsucht handelt. Die wohl bekannteste Folge einer akuten Alkoholintoxikation ist der sogenannte Kater oder Katzenjammer, der wenige Stunden nach dem Alkoholkonsum eintritt.

Wie stark sich der Alkohol auf den Körper auswirkt, ist von der Höhe der Blutalkoholkonzentration abhängig. Diese wird von Alter, Geschlecht, Konstitution, Gewicht und dem Mageninhalt beeinflusst und in Promille angegeben. So ist ein Alkoholrausch besonders gefährlich für Kinder und Jugendliche, die weniger Alkohol vertragen als Erwachsene. Ebenso spielt es eine Rolle, ob der Betroffene regelmäßig trinkt und bereits an größere Alkoholmengen gewöhnt ist oder eher selten Alkohol konsumiert. Ab wann eine Alkoholvergiftung besteht, ist demnach von Patient zu Patient unterschiedlich.

Was sind typische Anzeichen einer Alkoholvergiftung?

Die Übergänge von einem leichten Schwips bis zu einer Alkoholvergiftung verlaufen meist fließend. Wird der Alkoholkonsum nach dem ersten Gefühl des Wohlbefindens und der Wärme fortgesetzt, wird die Sprache undeutlich und die Wortwahl unangemessen. Weiterhin verlängert sich die Reaktionszeit und die Schmerzwahrnehmung wird verringert. Mit steigender Alkoholkonzentration im Blut treten Schwindel, Gleichgewichtsstörungen, Übelkeit und Erbrechen auf. Die Betroffenen beginnen zu zittern, leiden unter Gedächtnisstörungen und kämpfen mit Schweißausbrüchen.

Ebenso wird das Kälte-Empfinden ausgeschaltet und eine Unterkühlung beschleunigt. Durch den hohen Alkoholkonsum weitern sich die Gefäße und die Haut wird besser durchblutet. Der Betroffene fühlt sich wohl und warm und merkt dadurch nicht, dass die lebenswichtigen inneren Organe immer schlechter mit Blut versorgt werden und kurz vor dem Kollaps stehen. So lässt sich auch erklären, dass Obdachlose in der kalten Jahreszeit im Rauschzustand erfrieren oder stark Betrunkene nach einem Sturz einfach in der Kälte liegenbleiben.

In welchen Phasen verläuft eine Alkoholvergiftung?

Eine Alkoholintoxikation wird in vier verschiedene Stadien eingeteilt:

Erstes Stadium: Exzitation (0,2 bis 2 Promille Blutalkohol)

Zu Beginn einer Alkoholvergiftung tritt eine übernatürlich hohe physiologische Erregung auf, welche die Wahrnehmung und das Nervensystem betrifft. Die Symptome einer Alkoholvergiftung sind gekennzeichnet durch:

  • Leichtes Lallen
  • Redseligkeit
  • Verlängerte Reaktionszeit
  • Enthemmtes Verhalten
  • Reduzierte Schmerzwahrnehmung
  • Gangunsicherheit
  • Gerötete Augen

Zweites Stadium: Hypnose (2 bis 2,5 Promille Blutalkohol)

Diese Phase beschreibt einen tief entspannten bis tranceartigen Wachzustand. Folgende Alkoholvergiftung-Symptome sind typisch:

  • Schwere Sprach-, Seh- und Koordinationsstörungen
  • Muskelschlaffheit
  • Lähmungen
  • Amnesie
  • Verengte Pupillen
  • Übelkeit und Erbrechen
  • Aggressives Verhalten
  • Große Müdigkeit, aber noch leicht aufweckbar

Drittes Stadium: Narkose (2,5 bis 4 Promille Blutalkohol)

In dieser Phase tritt häufig eine Bewusstlosigkeit ein. Der Betroffene reagiert nicht mehr auf Schmerzreize und weiß somit nicht mehr, wann und wo er sich bei einem Sturz verletzt hat. Folgende Anzeichen einer Alkoholvergiftung treten auf:

  • Komplettverlust des Bewusstseins
  • Schockzustand
  • Erweiterte Pupillen
  • Möglicher unkontrollierter Harn- oder Stuhlabgang

Viertes Stadium: Asphyxie (ab 4 Promille Blutalkohol)

Dieses Stadium ist die gefährlichste Phase einer Alkoholvergiftung. Schließlich kommt es hier zu schwerwiegenden Herz-Kreislauf-Störungen. Ab vier Promille Blutalkohol besteht akute Lebensgefahr, eine Blutalkoholkonzentration von fünf Promille ist häufig tödlich. Die Asphyxie äußert sich durch folgende Alkoholvergiftung-Symptome:

  • Stark erweiterte und reaktionslose Pupillen
  • Extreme Abkühlung des Körpers
  • Ausfall der Schutzreflexe des Körpers
  • Selten: lebensgefährliche Nierenvergiftung
  • Starke Beeinträchtigung der Atmung bis Atemstillstand
  • Kreislaufversagen bis hin zum Tod
  • Koma
  • Multiorganversagen

Was kann man bei einer Alkoholvergiftung tun?

Hier muss zunächst unterschieden werden zwischen einer leichten Alkoholvergiftung und einer schweren Intoxikation, die eine stationäre Behandlung erforderlich macht. In beiden Fällen sollte der Alkoholkonsum bei den ersten Anzeichen einer Vergiftung sofort beendet werden; bei einer schweren Vergiftung sollte zusätzlich der Notarzt verständigt werden.

Ist der Betroffene noch ansprechbar, sollten Informationen über die konsumierte Alkoholmenge sowie über Erkrankungen und Allergien gesammelt werden. Außerdem sollte durch Erbrechen der restliche Alkohol aus dem Magen befördert werden, damit er nicht in den Blutkreislauf gelangt. Dabei muss sichergestellt werden, dass der Vergiftete nicht am Erbrochenen erstickt. Kann er noch gut schlucken und Flüssigkeit bei sich behalten, so sollte ihm zur Linderung der Vergiftungserscheinungen Wasser zum Trinken gereicht werden.

Bei Bewusstlosigkeit oder bei nur noch sehr schwachem Puls muss sofort die Atmung geprüft werden. Je nach Zustand muss der Betroffene entweder wiederbelebt oder in die stabile Seitenlage gebracht werden. Gleichzeitig ist es wichtig, ihn mit einer Decke vor einer Unterkühlung zu schützen. Damit Erbrochenes gut abfließen kann, sollte der Kopf möglichst so gelagert werden, dass der Mund der tiefste Punkt ist. Die betroffene Person sollte bis zum Eintreffen des Notarztes nicht allein bleiben.

Welche Untersuchungen werden bei der Diagnose einer Alkoholintoxikation durchgeführt?

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) spricht im Zusammenhang mit einer akuten Vergiftung durch Alkohol von Störungen der Psyche und des Verhaltens (Diagnoseschlüssel F10.0) oder von der toxischen Wirkung nicht medizinisch verwendeter Substanzen (Diagnoseschlüssel T51.0). Falls möglich, führt der Arzt ein kurzes Anamnesegespräch mit dem Betroffenen. Ist der Patient nicht mehr ansprechbar, werden die Angehörigen oder Bekannten gefragt. Um den Schweregrad der Alkoholvergiftung festzustellen, erfolgt anschließend eine körperliche Untersuchung, in der der Blutzuckerspiegel, die Alkoholkonzentration und weitere Blutwerte bestimmt werden Außerdem wird ein Drogen-Screening durchgeführt.

Wie verläuft eine Behandlung der Alkoholvergiftung im Krankenhaus?

Die Behandlung einer akuten Alkoholvergiftung richtet sich nach der Schwere der Intoxikation. Während es bei leichteren Vergiftungen meist ausreicht, die Symptome zu lindern, Komplikationen zu vermeiden und Selbstgefährdungen zu verhindern, wird die Behandlung bei einer schweren Alkoholvergiftung auf der Intensivstation durchgeführt. Hier werden Vitalfunktionen wie Blutdruck, Atmung und Puls sowie die Sauerstoffsättigung im Blut permanent überwacht. Um Flüssigkeitsdefizite auszugleichen, wird dem Patienten durch eine Infusion Kochsalzlösung zugeführt. Wenn der letzte Alkoholkonsum nicht lange zurückliegt, wird der Magen ausgepumpt, um zu verhindern, dass der dort befindliche Alkohol weiter ins Blut gelangt. Bei Atemstillstand wird eine Beatmung notwendig und bei einem Nierenversagen eine Nierenwäsche mittels Dialyse. Je nach Schweregrad der Alkoholvergiftung kann die Dauer der Behandlung einige Zeit in Anspruch nehmen, da sich der Alkohol nicht durch Gegengifte neutralisieren und auch nicht aus dem Blut entfernen lässt.

Weshalb ist die Therapie in einer Suchtklinik besser geeignet als in einem Krankenhaus?

Vielfach tritt eine Alkoholvergiftung im Zusammenhang mit einer Alkoholabhängigkeit oder mit regelmäßigem Alkoholmissbrauch auf. Hier ist es in der Regel nicht damit getan, die körperlichen Symptome eines Alkoholrausches zu behandeln. Vielmehr gilt es, weitere Alkoholexzesse zu verhindern und sich mit Sucht bzw. Missbrauch kritisch auseinanderzusetzen. Schließlich können die Folgen häufiger und schwerer Rauschzustände gravierend sein. So sind rund 74.000 Todesfälle jährlich auf dramatisch zu hohen Alkoholkonsum zurückzuführen, die Dunkelziffer dürfte um ein Vielfaches höher liegen. Neben einer Leberzirrhose, Nieren- und Gehirnschäden kann es zu Erkrankungen des Herzmuskels, Mangelversorgung der Zellen mit Nährstoffen und einer Schwächung des Immunsystems kommen. Auch eine deutlich kürzere Lebenserwartung und das gefürchtete Korsakow-Syndrom sind auf die regelmäßige Zufuhr großer Mengen Alkohol zurückzuführen. In einer Suchtklinik oder auch Alkoholentzugsklinik werden auch die psychischen Ursachen des Alkoholkonsums betrachtet und behandelt. Daher haben die betroffenen Personen hier die größten Erfolgsaussichten, die gesundheitliche Abwärtsspirale zu beenden und künftig ein Leben ohne Alkohol zu führen.

Wie erfolgt die Behandlung in einer Entzugsklinik?

Wie in einem Akut-Krankenhaus wird bei Patienten, die im intoxikierten Zustand in eine Entzugsklinik eingeliefert werden, zunächst die Alkoholvergiftung behandelt. Die Behandlung erfolgt nach den AWMF-Leitlinien zur Behandlung substanzbezogener Störungen. Im Falle einer Alkoholabhängigkeit geht die Therapie in einen klassischen Alkoholentzug mit Entgiftung, Entwöhnung und Nachsorge über. Die Entzugssymptome können bei Bedarf medikamentös gelindert werden. Handelt es sich um einen Alkoholmissbrauch ohne Abhängigkeit, entfällt der körperliche Entzug und die Therapie wird mit der Alkoholentwöhnung fortgesetzt.

Die Entwöhnung ist mit Abstand der wichtigste Part der Alkoholtherapie, denn hier werden die Weichen für eine abstinente Zukunft gestellt. Die Ursachen für Sucht und Missbrauch werden in Einzel- und Gruppengesprächen therapeutisch aufgearbeitet und alternative Lösungsansätze festgelegt. Die Konsumenten lernen, ihr Leben auch ohne Alkohol zu bewältigen. Darüber hinaus besteht die Möglichkeit, an Entspannungsverfahren, Gedächtnistraining, Stressbewältigungstechniken und vielen weiteren Angeboten mehr teilzunehmen.

Nach dem Entzug ist eine konsequente Nachsorge erforderlich. Diese erfolgt normalerweise über regelmäßige Gespräche mit einem ambulanten Nachsorgetherapeuten und durch den Besuch einer entsprechend ausgerichteten Selbsthilfegruppe.

Ihr Kontakt zur My Way Betty Ford Privatklinik

Als ausschließlich auf Sucht spezialisierte Klinik besitzen wir eine Zulassung zur Entgiftung und nehmen auch intoxikierte Patienten auf. Je nach Einzelfall ist im Anschluss sowohl ein qualifizierter Entzug mit Entgiftung und Entwöhnung möglich als auch eine reine Entwöhnung bei Alkoholmissbrauch. Wir bieten Ihnen:

  • ein langjährig bewährtes und zertifiziertes Therapiekonzept
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Person steigt eine Treppe herauf und hält eine Fahne in der Hand. Auf einem Schild steht JA zum suchtfreien Leben.





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