Alkoholiker in der Familie

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Aktualisiert am: 17.08.2026
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Wichtiges in 30 Sek.

  • Alkoholsucht erkennen: Angehörige merken häufig als erste, wenn jemand zu viel trinkt.
  • Suchtentwicklung: Häufig verlieren Betroffene die Kontrolle über die konsumierte Menge und verharmlosen oder verheimlichen ihren Konsum.
  • Folgen für die Familie: Verhaltensänderungen, Stimmungsschwankungen, Reizbarkeit, depressive Verstimmungen, Unzuverlässigkeit und Konflikte können Familien stark belasten.
  • Folgen für Kinder: Kinder alkoholkranker Elternteile leiden häufig unter instabilen Verhältnissen und können in ihrer gesunden Entwicklung beeinträchtigt werden.
  • Hilfe für Angehörige: Wenn ein problematischer Alkoholkonsum vermutet wird oder offensichtlich ist, finden Angehörige Hilfe bei Beratungsstellen in der Nähe oder online.
  • Realistische Erwartungen: Angehörige können den problematischen Konsum ansprechen, sollten aber wissen, dass eine Behandlung der Alkoholsucht nur möglich ist, wenn Betroffene ihr Problem erkennen und mit dem Trinken aufhören wollen.
Inhalt

    Hilfe anbieten und Grenzen ziehen

    Wenn Menschen eine Alkoholabhängigkeit entwickeln, betrifft diese Krankheit nicht nur sie selbst, sondern auch sämtliche Personen aus ihrem sozialen Umfeld. Besonders schwer haben es häufig Familienmitglieder. Ist das Kind, der Vater, die Mutter oder der Partner alkoholsüchtig, gerät früher oder später die ganze Welt aus den Fugen und alles dreht sich nur noch um die Krankheit. Wie verhalten Angehörige Alkoholkranker sich richtig und was können sie tun, um sich selbst zu schützen?

    Wie entsteht eine Alkoholabhängigkeit?

    Abhängigkeit ist eine schwere chronische Erkrankung, die sich schleichend entwickelt. Begünstigt wird sie durch bestimmte genetische, soziale und psychische Faktoren sowie ungünstige Lebensbedingungen und -erfahrungen, z. B. früher Erstkontakt mit Alkohol, hohe Belastungen in Familie, Beruf und Privatleben oder soziale Isolation. Aktuellen Erhebungen zufolge erfüllen in Deutschland rund 2,2 Millionen Menschen die Kriterien einer Alkoholsucht. Weitere 1,7 Millionen zeigen einen problematischen Alkoholkonsum.1

    Woran erkennt man, dass ein Familienmitglied alkoholabhängig ist?

    Manchmal ist es gar nicht so leicht, einen Alkoholiker in der Familie zu erkennen, insbesondere wenn Alkohol heimlich zur „Stressbewältigung“ getrunken wird und die Person ihren Alltag von außen betrachtet noch gut bewältigt. Da die Erkrankung zu ernsten körperlichen, psychischen und sozialen Beeinträchtigungen führen kann, ist es wichtig, typische Anzeichen einer Abhängigkeit zu kennen, um sensibel mit Betroffenen ins Gespräch gehen zu können.

    Einige der im Folgenden aufgeführten Aspekte können auch auf andere Krankheiten hindeuten, weshalb man mit Selbstdiagnosen vorsichtig sein sollte. Eine Diagnose kann letztlich nur durch medizinisches Fachpersonal gestellt werden.

    Auffälligkeiten im Trinkverhalten
    • Kontrollverlust über Trinkmenge und -dauer
    • Häufiges oder heimliches Trinken
    • Toleranzentwicklung
    • Unruhe oder Reizbarkeit, wenn kein Alkohol verfügbar ist
    Körperliche Anzeichen

    Sogenannte Entzugssymptome wie Zittern, Fahrigkeit oder Schwitzen bei fehlendem Alkoholkonsum treten erst bei ausgeprägter Alkoholabhängigkeit auf. In frühen Stadien zeigen sich eher Symptome wie:

    • Gewichtsverlust oder -zunahme
    • Hautveränderungen
    • Infektanfälligkeit
    • Vernachlässigung der Hygiene
    Psychische Auffälligkeiten
    • Schlafstörungen
    • Stimmungsschwankungen
    • Innere Unruhe
    • Reizbarkeit
    • Ängste
    • Anzeichen von Überlastung
    Soziale Auffälligkeiten
    • Vernachlässigung von Familie, Beruf oder Hobbys
    • Konflikte in der Familie und/oder am Arbeitsplatz
    • Finanzielle Schwierigkeiten durch Alkoholkonsum

    Welche Auswirkungen kann Alkoholismus auf die Familie haben?

    Alkoholismus in der Familie kann das Zusammenleben erheblich belasten. Wie stark sich die Suchterkrankung auf Partnerinnen und Partner, Kinder oder andere Angehörige auswirkt, hängt von vielen Faktoren ab: von der Schwere und Dauer der Abhängigkeit, vom Konsumverhalten, von möglichen Begleiterkrankungen, von der familiären Situation und davon, ob Unterstützung angenommen wird.

    Manche Angehörige erleben vor allem Unsicherheit, wiederkehrende Konflikte oder emotionale Distanz. Andere sind zusätzlich mit finanziellen Sorgen, Vertrauensverlust, Überforderung, Scham oder Angst konfrontiert. Besonders für Kinder kann die Situation belastend sein, wenn Verlässlichkeit, Sicherheit und emotionale Zuwendung im Alltag fehlen. Wichtig ist: Die Ursachen einer Abhängigkeitserkrankung sind komplex und individuell. Ebenso individuell sind die Folgen für die Familie und die Wege, mit der Situation umzugehen.

    Welche Auswirkungen kann die Alkoholabhängigkeit von Eltern auf Heranwachsende haben?

    Das Aufwachsen mit einem alkoholkranken Vater oder einer alkoholkranken Mutter kann Kinder emotional, körperlich, sozial und in ihrer Rollenentwicklung beeinflussen. Wie gravierend die Folgen im individuellen Fall sind, hängt unter anderem vom Alter des Kindes, der individuellen Familiendynamik, der Schwere der Erkrankung, dem Verhalten des betroffenen Elternteils und vorhandener Unterstützung ab. Die im Folgenden dargestellten möglichen Auswirkungen zeigen, wie wichtig es ist, dass sich Betroffene rasch Hilfe suchen, wenn sie vermuten: Meine Mutter / mein Vater ist Alkoholiker.

    Bindungsstörungen, insbesondere bei jüngeren Kindern

    Das unvorhersehbare Verhalten eines alkoholabhängigen Vaters oder einer alkoholanhängigen Mutter kann insbesondere bei kleinen Kindern eine existenzielle Unsicherheit und Stressreaktionen auslösen. Damit einher geht ein erhöhtes Risiko für Entwicklungsverzögerungen und Bindungsstörungen.

    Vernachlässigung eigener kindlicher Bedürfnisse

    Obwohl Zusammenhänge mit zunehmendem Alter besser verstanden werden, fühlen sich Kinder oft schuldig oder mitverantwortlich an den Problemen ihrer Eltern. Sie haben ein starkes Bedürfnis nach Harmonie, was dazu führen kann, dass sie sich anpassen, eigene Bedürfnisse zurückstellen und Rollen ihrer Eltern übernehmen, z. B. auf jüngere Geschwister aufpassen, sich um den Haushalt kümmern.

    Erhöhtes Risiko für Suchterkrankungen

    Jugendliche reagieren häufig mit Wut oder ziehen sich über Fluchtstrategien wie Freunde oder Medien zurück. Es besteht ein erhöhtes Risiko, selbst mit dem Trinken zu beginnen.2

    Entwicklung von Rollenverhalten

    Kinder aus suchtbelasteten Familien übernehmen oft unbewusst bestimmte Rollen im Familiengefüge, um das Familiensystem zu stabilisieren und Stress zu vermeiden. Welche Rolle (in der Regel als Mischform) übernommen wird, hängt von der individuellen Persönlichkeit, dem Alter und Geschlecht ab. Dies sind die von Sharon Wegscheider beschriebenen Rollen in stark schematisierter und vereinfachter Form:3

    • Das Heldenkind übernimmt Verantwortung und stabilisiert das Familiensystem nach außen. Langfristig drohen Überforderung und Perfektionismus sowie ein mangelnder Zugang zu eigenen Bedürfnissen.
    • Das schwarze Schaf zeigt häufig ein auffälliges oder rebellisches Verhalten, um von den eigentlichen Problemen abzulenken. Dadurch können Konflikte in der Schule, mit Autoritäten und sogar dem Gesetz entstehen.
    • Das verlorene Kind tendiert zu Rückzug und Unsicherheit und vermeidet Konflikte durch Überanpassung. Das kann Einsamkeit und depressive Entwicklungen begünstigen.
    • Das Maskottchen wirkt extravertiert und nutzt Humor oder Späße, um von familiären Problemen abzulenken. Verfestigt sich dieses Rollenverhalten, können später Schwierigkeiten entstehen, in Gruppen authentisch aufzutreten, eigene Bedürfnisse zu zeigen oder ernst genommen zu werden.
    Erhöhtes Risiko für psychische Störungen, Probleme in Alltag und Ausbildung

    Kinder alkoholkranker Eltern haben ein erhöhtes Risiko für

    • Angststörungen und Depressionen im Erwachsenenalter4,
    • Schwierigkeiten in Schule oder Ausbildung,
    • Konflikte in sozialen Beziehungen und
    • die Entwicklung einer eigenen Suchterkrankung.

    Welche Folgen kann eine Alkoholsucht des eigenen Kindes für die Eltern haben?

    Eltern suchtkranker Kinder kämpfen oft mit starken Schuldgefühlen oder Selbstvorwürfen, weil sie befürchten, als Elternteil versagt zu haben. Scham und Angst vor Stigmatisierung können dazu führen, dass sie sich aus ihrem sozialen Umfeld zurückziehen. Mit der Zeit können gesundheitliche Probleme durch anhaltenden Stress, Anspannung oder Mehrfachbelastung entstehen. Wie belastend es sein kann, wenn das eigene Kind betroffen ist, zeigen auch Internetrecherchen. „Mein Sohn ist Alkoholiker was kann ich tun“, wird monatlich mehr als 100-mal in Deutschland gegoogelt.5

    Welchen Einfluss kann Alkoholmissbrauch auf die Partnerschaft haben?

    Wie stark eine Beziehung betroffen ist, hängt unter anderem von der Schwere und Dauer der Abhängigkeit, der Beziehungssituation, vorhandener Unterstützung und der Bereitschaft zur Behandlung ab.

    Unsicherheit, Vertrauensverlust, Angst

    Das Zusammenleben mit einem alkoholabhängigen Partner kann die Beziehung stark belasten. Häufig entsteht die Herausforderungen nicht nur durch den Alkoholkonsum selbst, sondern durch die Folgen im gemeinsamen Alltag: Absprachen werden unsicherer, Konflikte nehmen zu, Stimmungen können schwanken und Vertrauen kann verloren gehen. Für den nicht trinkenden Partner entsteht dadurch oft das Gefühl, ständig ausgleichen, kontrollieren oder auffangen zu müssen.

    Übernahme von Verantwortung für Alkoholabhängige

    Mit der Zeit kann sich ein belastendes Ungleichgewicht in der Partnerschaft entwickeln. Der nicht erkrankte Partner übernimmt immer mehr Verantwortung, versucht Probleme nach außen hin zu verbergen oder den Alltag trotz der Erkrankung stabil zu halten. Eigene Bedürfnisse treten dabei häufig in den Hintergrund. Das kann emotional erschöpfen und das Risiko für eigene psychische Störungen erhöhen. In manchen Fällen entstehen Verhaltensmuster, bei denen Angehörige die Folgen der Sucht immer wieder abfedern und dadurch selbst zunehmend in die Dynamik der Krankheit eingebunden werden.

    Zunahme sozialer und finanzieller Schwierigkeiten

    Soziale Belastungen können entstehen, wenn Paare Einladungen absagen, den Kontakt zu Freunden oder Familie reduzieren oder die Suchterkrankung aus Scham nach außen verbergen. Dadurch kann die Partnerschaft zunehmend isoliert werden, was den Druck auf beide Seiten verstärkt.

    Finanzielle Schwierigkeiten können beispielsweise entstehen, wenn der Alkoholkonsum hohe Ausgaben verursacht, berufliche Konflikte entstehen oder ein Einkommen zeitweise wegfällt. Viele erleben deshalb einen inneren Konflikt: Sie empfinden Mitgefühl und Verpflichtung, müssen zugleich aber ihre eigenen Grenzen und ihren Selbstschutz ernst nehmen. Eine frühzeitige professionelle Hilfe kann dazu beitragen, Belastungen zu reduzieren.

    Gefühle von Hilflosigkeit und Ohnmacht

    Ohnmachtsgefühle können bei Partnern Alkoholabhängiger durch das wiederholte Erleben entstehen, trotz großer Anstrengung kaum Einfluss auf den Verlauf der Erkrankung zu haben. Viele Partner versuchen zunächst, den Alkoholkonsum zu begrenzen, Gespräche zu führen, Konflikte zu vermeiden oder den Alltag zu stabilisieren. Wenn Versprechen, mit dem Trinken aufzuhören, wiederholt gebrochen wird, Rückfälle auftreten oder Hilfe abgelehnt wird, kann der Eindruck entstehen, der Situation ausgeliefert zu sein. Professionelle Beratung kann helfen, die eigene Rolle zu klären, Grenzen zu setzen und zwischen hilfreicher Unterstützung und überfordernder Verantwortungsübernahme zu unterscheiden.

    Wie lässt sich ein Gespräch über problematischen Alkoholkonsum behutsam führen?

    Alkoholsucht bekämpfenEinen Angehörigen auf seinen Alkoholkonsum anzusprechen, kostet oft Überwindung. Gerade deshalb ist eine gute Vorbereitung wichtig. Das Gespräch sollte nicht spontan in einer angespannten Situation geführt werden, wenn der Betroffene stark betrunken ist, sondern in einem ruhigen Moment, in dem ausreichend Zeit zur Verfügung steht. Hilfreich kann es sein, die eigenen Beobachtungen vorher zu sortieren und sich bei Unsicherheit Unterstützung zu holen, zum Beispiel in einer ärztlichen Praxis, einer Suchtberatungsstelle oder einer Selbsthilfegruppe für Angehörige.

    Auf was sollte man achten
    • Ruhige private Umgebung ohne Ablenkung oder Zeitdruck
    • Eigene Sorgen und konkrete Beobachtungen vorher sortieren
    • Ruhig, respektvoll, ohne Vorwürfe oder Schuldzuweisungen sprechen
    • Aktiv zuhören, ausreden lassen, Fragen stellen
    • Bei eskalierender Stimmung oder aggressivem Verhalten Gespräch abbrechen
    Beispiele für Gesprächseinstiege
    • „Ich habe bemerkt, dass du in letzter Zeit häufiger trinkst, und ich mache mir Sorgen um dich.“
    • „Mir ist wichtig, dass es dir gut geht. Können wir über deinen Alkoholkonsum sprechen?“
    • „Mir ist aufgefallen, dass es häufiger zu Streit kommt, wenn Alkohol im Spiel ist. Können wir uns darüber unterhalten?“
    Realistische Erwartungen

    Realistische Erwartungen helfen, Druck und Enttäuschungen zu vermeiden. Angehörige sollten sich bewusst machen, dass Veränderungen Zeit brauchen und eine Alkoholabhängigkeit keine Frage mangelnder Willenskraft ist. Neurobiologische Veränderungen, psychische Abhängigkeitsmechanismen, Gewöhnung, Suchtdruck und mögliche Begleiterkrankungen wie ADHS, Angststörungen und Depressionen können den Konsumstopp erheblich erschweren. Partner von Alkoholikern sollten sich darauf einstellen, dass es immer wieder zu Rückfällen kommen kann.

    Ziel eines ersten Gesprächs sollte nicht sein, Betroffene zu überzeugen oder kontrollieren zu wollen, sondern die eigene Sorge klar auszusprechen, Unterstützung anzubieten und zur Inanspruchnahme professioneller Hilfe zu ermutigen. Hierfür gibt es eine Vielzahl an Optionen. Eine vierwöchige, stationäre Therapie in einer Alkoholentzug-Klinik kann Alkoholiker dabei unterstützen, Ursachen ihrer Alkoholsucht zu erkennen und alternative Bewältigungsstrategien für Belastungssituationen zu entwickeln.

    Alkoholiker in der Familie: Was tun?

    Eine Alkoholabhängigkeit in der Familie kann den Alltag stark belasten. Angehörige können die Krankheit nicht kontrollieren, aber sie können sich informieren, Unterstützung suchen, lernen, eigene Grenzen zu wahren und in Krisen richtig zu reagieren. Hilfe für Alkoholkranke durch Angehörige ist ein zweischneidiges Schwert. Hier lesen Sie, welches Verhalten empfehlenswert ist und was man lieber unterlassen sollte.

    Empfehlenswert
    • Informationen einholen über Suchterkrankungen, typische Dynamiken, Beratungsstellen, Selbsthilfegruppen und Behandlungsmöglichkeiten.
    • Unterstützung suchen, zum Beispiel bei Suchtberatungsstellen, in Angehörigengruppen, bei Al-Anon, dem Blauen Kreuz oder in psychotherapeutischer Beratung.
    • Eigene Grenzen setzen, etwa beim Umgang mit Geld, bei wiederholten Konflikten, bei Entschuldigungen nach außen oder bei Aufgaben, die dauerhaft übernommen werden.
    • Selbstfürsorge ernst nehmen: Soziale Kontakte, Erholung, Hobbys und eigene Bedürfnisse sollten nicht dauerhaft hinter der Erkrankung zurückstehen.
    • Notfallstrategien vorbereiten, besonders bei Gewalt, akuter Eskalation, Suizidgedanken oder Gefährdung von Kindern sollte vorher klar sein, welche Hilfe erreichbar ist.
    Weniger hilfreich

    Viele Angehörige handeln aus Sorge, Mitgefühl oder dem Wunsch nach Ruhe. Manche Verhaltensweisen können zusätzlich belasten oder die Suchtdynamik unbeabsichtigt stabilisieren.

    • Verantwortung für die Erkrankung übernehmen: Angehörige können unterstützen, aber sie können den Konsumstopp nicht stellvertretend leisten.
    • Druck oder Zwang ausüben: Drohungen, Kontrolle oder ständige Konfrontation führen häufig zu Abwehr und neuen Konflikten.
    • Folgen der Sucht abfedern: Wer Fehlzeiten entschuldigt, Schulden ausgleicht oder Schwierigkeiten nach außen verdeckt, entlastet kurzfristig, kann aber langfristig die Veränderung erschweren.
    • Probleme verharmlosen: Bagatellisierung kann dazu führen, dass Belastungen unterschätzt und Hilfen zu spät angenommen werden.
    • Den eigenen Schutz zurückstellen: Selbstaufgabe erhöht das Risiko für Erschöpfung, Isolation und eigene psychische Störungen.

    Umgang mit Alkoholikern in der Familie bei Rückfällen

    Rückfälle können im Verlauf jeder Abhängigkeitserkrankung auftreten, nicht nur bei Alkohol, Drogen und Medikamentenmissbrauch. Sie sind kein Versagen des Betroffenen und sollten von Angehörigen auch nicht persönlich genommen werden. Gleichzeitig muss man Rückfälle ernst nehmen, weil sie auf einen erneuten oder fortbestehenden Behandlungsbedarf hinweisen. Hilfreich ist ein klarer, vorher besprochener Umgang mit solchen Situationen:

    • Rückfallplan vereinbaren: vorher festlegen, wer informiert wird und welche Hilfe unmittelbar genutzt werden kann, etwa ärztlicher Kontakt, Suchtberatung, Therapie oder Selbsthilfegruppe.
    • Klare Grenzen setzen: Konsequenzen sollten realistisch, konkret und einhaltbar sein.
    • Unterstützung an Bedingungen knüpfen: Hilfe anbieten, ohne den Konsum länger zu decken, Folgen abzufedern oder den eigenen Schutz aufzugeben.
    • Rückfall aufarbeiten: Auslöser, Risikosituationen und Warnzeichen gemeinsam oder therapeutisch analysieren, um den Behandlungsplan anzupassen.
    • Bei akuter Gefahr sofort Hilfe holen: etwa bei Gewalt, Suizidgedanken, Intoxikation, Entzugssymptomen oder Gefährdung von Kindern

    Wie entscheidend sind Familienmitglieder/Angehörige beim Kampf gegen die Alkoholsucht?

    Studien zeigen, dass Familienmitglieder eine wichtige Rolle im Kampf gegen die Alkoholsucht spielen können.6 Sie können die Therapie- und Abstinenzmotivation fördern und während der Behandlung für Stabilität und Struktur sorgen. Gleichzeitig sollten Angehörigen wissen, dass ihre Unterstützung keine Therapie ersetzen kann. Sie müssen außerdem akzeptieren, dass nur der Betroffene selbst für seine Genesung verantwortlich ist.

     

    Wann sollte man sich professionelle Hilfe suchen?

    Professionelle Hilfe ist sinnvoll, wenn Alkoholkonsum wiederholt zu Belastungen führt, Konflikte auslöst oder Betroffene beziehungsweise Angehörige das Gefühl haben, die Situation nicht mehr allein bewältigen zu können. Je früher Beratung, ärztliche Abklärung oder therapeutische Unterstützung genutzt wird, desto eher lassen sich Risiken einordnen, geeignete Hilfen finden und weitere Belastungen begrenzen. Besonders dringend sollte Hilfe gesucht werden, wenn eines oder mehrere der folgenden Warnzeichen auftreten:

    • Entzugssymptome bei Alkoholverzicht
    • Kontrollverlust über den Konsum / Scheitern von Abstinenzversuchen
    • Hohe psychische Last bei Betroffenen / Angehöriger von Alkoholikern
    • Aggressionen, Gewalt oder Gefährdung anderer
    • Überforderung der Angehörigen

    Welche Behandlungsoptionen gibt es für Menschen mit Alkoholsucht?

    Systemische TherapieDie Behandlung einer Alkoholabhängigkeit richtet sich nach der Schwere der Erkrankung, dem körperlichen Zustand, möglichen Begleiterkrankungen und der sozialen Situation. Bei riskantem oder schädlichem Konsum können zunächst Beratung, ärztliche Abklärung, Kurzinterventionen oder ambulante Therapieangebote sinnvoll sein. Bei einer manifesten Abhängigkeit, Kontrollverlust, gescheiterten Abstinenzversuchen, körperlichen und/oder psychosozialen Folgen und psychischen Begleiterkrankungen ist in der Regel eine stationäre Behandlung in einer Entzugsklinik erforderlich. Daran schließen sich individuelle Nachsorgekonzepte mit ambulanter Psychotherapie und Selbsthilfegruppen an, um die Abstinenz zu unterstützen.

    Welche Klinik behandelt Alkoholsucht diskret?

    Eine diskrete Behandlung von Alkoholsucht bieten vor allem spezialisierte Suchtkliniken an, die medizinische Entzugsbehandlung, Psychotherapie und Rückfallprävention in einem geschützten Rahmen verbinden. Wichtig sind vertrauliche Aufnahmeprozesse, klare Datenschutzstandards und ein erfahrenes Team aus Ärzten, Therapeuten und Pflegekräften. Auch nahe Angehörige können im Rahmen der Angehörigenarbeit, sofern therapeutisch sinnvoll und von der betroffenen Person gewünscht, in den Behandlungsprozess einbezogen werden.

    Therapiekonzepte mit hochfrequenten Therapien, wie sie in privaten Kliniken für Alkoholentzug angeboten werden, ermöglichen eine strukturierte Behandlung innerhalb eines überschaubaren Zeitraums, sodass eine Begründung wie eine gesundheitliche Auszeit oder medizinische Behandlung gegenüber dem Umfeld als Erklärung meist ausreichen. Wie lange ein stationärer Aufenthalt erforderlich ist, hängt u. a. von der Schwere und Dauer der Abhängigkeit und psychischen Begleiterkrankungen ab.

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    FAQs – Alkoholiker in der Familie

    Sollte das Alkoholproblem außerhalb der Familie geheim gehalten werden?

    Durch das Verschweigen der Situation steigt der Druck auf die Angehörigen. Das kann Schuldgefühle und Isolation verstärken. Kontrollierte Offenheit nach außen kann dagegen Möglichkeiten zur Unterstützung und Entlastung eröffnen. Das gilt insbesondere für Familien mit Kindern. Der Schutz der Privatsphäre sollte dennoch immer gewahrt bleiben.

    Wie kann man verhindern, dass Kinder die Elternrolle übernehmen?

    Wenn Erwachsene Alltag und Versorgung nicht mehr allein bewältigen können, ist externe Unterstützung sinnvoll. Wichtig sind eine altersgerechte Kommunikation und die Förderung emotionaler Stabilität. Dazu tragen Hobbys, Freizeitaktivitäten und feste Tagesstrukturen bei.

    Wie kann man eine Co-Abhängigkeit verhindern?

    Um einer Co-Abhängigkeit vorzubeugen, sollten Angehörige klare Grenzen setzen und Maßnahmen zum Selbstschutz ergreifen und regelmäßig überprüfen. Pausen, Hobbys und soziale Kontakte außerhalb der Familie senken das Risiko für Überlastung und die Vernachlässigung eigener Bedürfnisse. Selbsthilfegruppen oder Psychotherapie helfen, Abhängigkeitsmuster zu erkennen und aufzubrechen.

    Woran können Angehörige eine Co-Abhängigkeit erkennen?

    Betroffene versuchen, den Alkoholkranken zu „retten“, indem sie ihn entschuldigen oder seinen Konsum decken. Oft fällt es ihnen nicht leicht, Grenzen zu setzen oder einzuhalten, weil sie das Gefühl haben, den Suchtkranken dadurch im Stich zu lassen. Eigene Bedürfnisse stellen sie häufig zurück und leiden im Stillen.

    Wie kann man Freunden oder Verwandten das Alkoholproblem erklären?

    Freunde oder Verwandte darüber zu informieren, dass Partner, Kind oder Vater Alkoholiker sind, gelingt am besten mit kurzen, klaren Aussagen ohne Beschönigungen oder Dramatisierungen. Es kann hilfreich sein, das Gespräch im Vorfeld zu üben. Beratungsstellen oder Selbsthilfegruppen können dabei unterstützen. So kann auch vorab definiert werden, was privat bleiben soll.

    Wo finden Angehörige von Alkoholikern Unterstützung?

    Beratungsstellen und Hotlines

    • Suchtberatungsstellen vor Ort (kommunal oder über Wohlfahrtsverbände)
    • Telefonseelsorge: 0800 111 0 111

    Selbsthilfegruppen

    • Al-Anon
    • Blaues Kreuz
    • Kreuzbund

    Weitere Anlaufstellen

    • Hausarzt
    • Psychotherapeutische Praxen
    • Entzugskliniken mit Angeboten für Angehörige
    Warum ist es wichtig, bei Alkoholikern in der Familie einen Notfallplan zu haben?

    Bei Alkoholismus in der Familie kann es zu Gewalt kommen – auch wenn dies nicht die Regel ist. Um sich selbst und andere zu schützen, ist es wichtig, sich vorab über Hilfestellen zu informieren, um im Falle einer Eskalation, bei aggressivem Verhalten oder Drohungen, rechtzeitig zu handeln. Folgendes ist wichtig:

    • Kontaktliste erstellen und griffbereit haben
    • Vorgehen im Notfall vorab definieren
    • Sicherheitsabstand einhalten und geschützte Rückzugsorte aufsuchen
    • Notfallplan mit anderen Angehörigen abstimmen und klare Rollen festlegen
    • Im Zweifelsfall Polizei (110), Rettungsdienst (112) oder psychiatrischen Notdienst kontaktieren

    Ihr Kontakt zur My Way Betty Ford Privatklinik

    Als Familienangehöriger eines Alkoholikers informieren wir Sie gerne über die Möglichkeiten einer Entzugstherapie in unserem Hause, zu der Angehörigenseminare und gemeinsame psychotherapeutische Gespräche ebenso gehören wie Familienaufstellungen. Weiterhin bieten wir Ihnen:

    • ein langjährig bewährtes und zertifiziertes Therapiekonzept
    • die Entgiftung und Entwöhnung in einem Behandlungsschritt
    • maximale Diskretion und Anonymität durch Aliasnamen
    Person steigt eine Treppe herauf und hält eine Fahne in der Hand. Auf einem Schild steht JA zum suchtfreien Leben.




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      Quellenangaben

      Quellenliste

      1 Bundesministerium für Gesundheit: „Alkohol“, Stand: 24. September 2025, https://www.bundesgesundheitsministerium.de/service/begriffe-von-a-z/a/alkohol.html (Datum des Zugriffs: 20.05.2026)

      2 Stephenson M, Heron J, Bountress K, Hickman M, Kendler KS, Edwards AC. The effect of parental alcohol use on alcohol use disorder in young adulthood: Exploring the mediating roles of adolescent alcohol expectancies and consumption. J Adolesc. 2023 Jun;95(4):716-728. doi: 10.1002/jad.12148. Epub 2023 Feb 7. PMID: 36751135; PMCID: PMC10257746, https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/36751135/ (Datum des Zugriffs: 20.05.2026)

      3 Zobel, M.: „Kinder aus suchtbelasteten Familien. Beispiel Alkohol“, Broschüre Landesamt für Soziales, Jugend und Versorgung, Rheinland-Pfalz, Februar 2025, https://lsjv.rlp.de/fileadmin/lsjv/Themen/Gesundheit/Suchtpraevention/Broschuere_Kinder_suchtbelasteten_Familien_Alkohol.pdf (Datum des Zugriffs: 20.05.2026)

      4 Kane K, Westman J, Franck J, Gissler M. Risk of severe mood and anxiety disorders in the adult children of parents with alcohol use disorder: a nationwide cohort study. J Epidemiol Community Health. 2024 Jun 10;78(7):444-450. doi: 10.1136/jech-2023-221720. PMID: 38688702; PMCID: PMC11187371, https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/38688702/ (Datum des Zugriffs: 20.05.2026)

      5 Google-Analysedaten Keyword-Planer vom 12.08.2026

      6 McCrady BS, Flanagan JC. The Role of the Family in Alcohol Use Disorder Recovery for Adults. Alcohol Res. 2021 May 6;41(1):06. doi: 10.35946/arcr.v41.1.06. PMID: 33981521; PMCID: PMC8104924, https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/33981521/ (Datum des Zugriffs: 20.05.2026)

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      Haftungsausschluss

      Die Inhalte unseres Suchtratgebers wurden von anerkannten Suchtmedizinern geprüft. Trotzdem dürfen sie nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung verwendet werden. Dies gilt insbesondere, aber nicht ausschließlich, für Aussagen zur medikamentösen Behandlung und Begleitung eines Entzugs.
      Die Informationen unseres Ratgebers können einen Arztbesuch nicht ersetzen, sie können aber als Motivation und Gesprächsgrundlage für einen Besuch bei Ihrem Hausarzt oder einer Suchtberatungsstelle dienen. Wenn Sie glauben, sie könnten ein Suchtproblem haben, können Sie sich auch gerne direkt an uns wenden.
      Ein Haftungsausschluss besteht überdies für Aussagen zur Übernahme von Kosten durch Leistungserbringer wie Krankenkassen und Rentenversicherungen, da sich die Gesetzeslage hier rasch ändern kann. Wenn sie Fragen zur Kostenübernahme für einen stationären Aufenthalt in der My Way Betty Ford Klinik haben, schreiben Sie uns gerne oder rufen Sie uns an. Wir haben individuelle Lösungen für alle Arten von Versicherungen.

      Aktualität

      Unser Expertenteam überarbeitet und aktualisiert unsere Ratgeberseiten regelmäßig, sollten Sie dennoch etwas entdecken, dass Ihrer Meinung nach nicht korrekt ist, schreiben Sie uns gerne. Wir werden die entsprechenden Passagen zeitnah prüfen.

      Gendergerechte Sprache

      Wir verzichten zugunsten einer leichteren Lesbarkeit auf geschlechtsspezifische Differenzierungen in unseren Texten. Männliche und weibliche Formen inkludieren vorurteilsfrei alle Geschlechter. Die My Way Betty Ford Klinik versteht sich ausdrücklich als diskriminierungsfreie, genderoffene Einrichtung für alle Menschen.

      Wissenschaftlicher Beirat

      • Unabhängige Beratung durch namhafte Mediziner der Suchtmedizin und Psychotherapie
      • Kontinuierliche Qualitätsverbesserungen unseres langjährig bewährten Therapiekonzepts
      • Regelmäßige Mitarbeiterschulungen gemäß neuesten suchtmedizinischen Erkenntnissen

      Über den wissenschaftlichen Beirat

      24 Stunden Direktkontakt

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