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Benzodiazepine: Medikamente mit hohem Suchtpotenzial

Schlafstörungen, Phobien und Panikattacken: Laut Statistik leiden 25 Prozent aller in Deutschland lebenden Menschen einmal im Leben an einer Angststörung. Aufgrund ihrer schnellen Wirkung werden zur Linderung der Symptome häufig Benzodiazepine verschrieben. Nach der Einnahme der Substanz werden Ängste in relativ kurzer Zeit zu einem leichten Unwohlsein und Angstphänomene reduzieren sich auf ein erträgliches Maß.

Begründet durch ihre hohe Wirksamkeit und ihre beruhigende Wirkung hat die Weltgesundheitsorganisation (WHO) einige dieser Arzneimittel auf die Liste unentbehrlicher Therapeutika gesetzt. Dazu zählen beispielsweise Diazepam, Lorazepam und Midazolam. Diese sind u. a. wichtig für die Behandlung epileptischer Anfälle, zur Prämedikation medizinischer Eingriffe oder zur Sedierung bei starken Unruhezuständen. Die Kehrseite der Medaille ist allerdings ein immens hohes Suchtrisiko, das selbst bei einer kurzen Einnahmedauer und einer niedrigen Dosis besteht.

Was sind Benzodiazepine genau?

Die Wirkstoffgruppe der Benzodiazepine enthält bizyklische Verbindungen, d. h. zwei verknüpfte Ringe, die auch für die Namensgebung der Gruppe ursächlich sind. So bestehen die Substanzen aus einem Benzolring und einem Diazepinring mit jeweils zwei Stickstoffatomen, die sich je nach Präparat in der Anordnung der chemischen Struktur unterscheiden. Der erste Wirkstoff dieser Gruppe war das von Leo Sternbach entwickelte Chlordiazepoxid, das 1960 unter dem Namen Librium auf den Markt kam und als Tranquilizer Verwendung fand. Häufig eingesetzte Benzos sind unter anderem Bromazepam (Lexotanil), Clonazepam (Rivotril), Diazepam (Valium) und Lorazepam (Tavor). Weitere Benzodiazepine dieser Liste sind:

  • Alprazolam
  • Midazolam
  • Clobazam
  • Clonazolan
  • Flunitrazepam
  • Midazolam
  • Triazolam
  • Nitrazepam
  • Chlordiazepoxid

Wann werden Benzodiazepine als Medikament verschrieben?

Die rezeptpflichtigen Arzneimittel – einige der Benzodiazepine fallen auch unter das Betäubungsmittelgesetz – werden vorwiegend in Tablettenform verabreicht. Die hauptsächlichen Anwendungsgebiete sind:

  • Schlafstörungen
  • Erregungs-, Spannungs- und Unruhezustände
  • Angst- und Panikstörungen
  • Epileptische Anfälle
  • Zustände mit erhöhtem Muskeltonus

Häufig werden sie jedoch auch bei stressbedingten Störungen wie Nervosität und Erschöpfung eingesetzt.

Auf welchem Wirkmechanismus basiert die Benzodiazepin-Wirkung?

Die Benzodiazepin-Wirkung beruht auf der Fähigkeit der Substanz, an den GABA-Rezeptoren (Gamma-Amino-Buttersäure-Rezeptoren) im zentralen Nervensystem anzudocken und die angstlösende, sedierende und muskelentspannende Wirkung des Neurotransmitters GABA zu verstärken. Dieser gilt als der wichtigste beruhigende Neurotransmitter, hemmt stressauslösende Signale und trägt zur inneren Ausgeglichenheit bei.

Wie schnell wirken Benzodiazepine und wie lange hält die Wirkung an?

Benzos werden für verschiedene Krankheitsbilder eingesetzt und zeigen je nach Präparat nicht nur voneinander abweichende Wirkungen, sondern auch einen unterschiedlich schnellen Wirkeintritt. So werden für Einschlafprobleme häufig Psychopharmaka mit schneller Wirkung und kurzer Wirkdauer gewählt. Für Angststörungen dagegen können auch langwirksame Benzodiazepine mit einem beruhigenden Effekt von mehreren Tagen angezeigt sein. Darüber hinaus unterscheidet sich der Wirkungseintritt nach der Art der Verabreichung. Je nach Dosis und Medikament beträgt dieser oral durchschnittlich 15 Minuten und intravenös zirka 30 Sekunden. Die Wirkungsdauer variiert zwischen 1,5 Stunden und 2 Tagen. Auch das Alter des Betroffenen spielt eine große Rolle für die Schnelligkeit des Wirkeintritts und die Wirkungsdauer. So ist es bekannt, dass bestimmte Benzodiazepine wie beispielsweise Diazepam bei älteren Patienten drei bis viermal länger wirken als bei jüngeren Menschen.

Wie lange sind Benzos in Blut und Urin nachweisbar?

Der Konsum von Benzodiazepinen lässt sich sowohl im Blut als auch im Urin nachweisen. Bei kurzzeitiger Verwendung und geringen Mengen ist die Substanz im Urin bis zu 3 Tagen nachweisbar. Bei Langzeitkonsumenten kann sie noch bis zu 6 Wochen festgestellt werden. Der Nachweis im Blut ist nur wenige Stunden bis Tage möglich. Dabei unterscheiden sich die unterschiedlichen Präparate in ihrer Abbauzeit und der Art und Weise, wie sie verstoffwechselt werden. Einige Abbauprodukte / Metaboliten verfügen über eine äußerst lange Halbwertszeit, sodass sich diese Stoffe bei regelmäßiger Verabreichung des Medikaments im Körper anreichern und die Wirkung des Benzodiazepins verstärken. So liegen die Halbwertszeiten des Langzeit-Benzodiazepins Chlordiazepoxid zwischen 36 und 200 Stunden, der Hauptmetabolit Desmethylchlordiazepoxid wird innerhalb von 24 bis 96 Stunden abgebaut. Deutlich schneller geht der Abbau von Lorazepam / Tavor®. Hier liegen die Halbwertszeiten der Stoffwechselprodukte zwischen 12 und 40 Minuten, insgesamt besitzt das Mittel eine Halbwertszeit von 11 bis 18 Stunden.

Haben Benzodiazepine Nebenwirkungen und sind sie gefährlich?

Das wohl gravierendste Risiko der Benzodiazepin-Wirkstoffe ist das Entstehen einer Abhängigkeit im Sinne einer Medikamentensucht. So können Benzos selbst in niedriger Dosierung innerhalb kurzer Zeit eine Abhängigkeit auslösen, die zu verschiedenen körperlichen und psychischen Beeinträchtigungen führen kann. Darüber hinaus kann die Einnahme von Benzodiazepinen Nebenwirkungen im physischen und psychischen Bereich verursachen. Zu den häufigsten Begleiterscheinungen zählen:

  • Beeinträchtigtes Reaktionsvermögen
  • Benommenheit und Schläfrigkeit
  • Verwirrtheit
  • Kopfschmerzen
  • Sehstörungen
  • Atemstörungen
  • Psychische Störungen

Benzodiazepine treten mit Alkohol und anderen Medikamenten in Wechselwirkung. Bei gleichzeitiger Einnahme von Alkohol, Schlafmitteln und Opioiden kann es zu einer gefährlichen und unkontrollierten gegenseitigen Wirkungsverstärkung kommen, die im schlimmsten Fall einen Atem- oder Herzstillstand verursachen kann.

Gibt es auch Benzodiazepine ohne Nebenwirkungen?

Allen Präparaten gemeinsam ist ihre grundsätzliche Wirkungsweise, die direkt auf das zentrale Nervensystem zielt, indem sie an den GABA-Rezeptoren andocken und die Reizweiterleitung ähnlich wie Alkohol oder Barbiturate hemmen. Es liegt also auf der Hand, dass bei einer längerfristigen Einnahme der gesamte natürliche Neurotransmitter-Stoffwechsel aus dem Gleichgewicht gerät und sich oft nur noch durch Benzodiazepine regulieren lässt. Unabhängig vom verordneten Mittel, birgt die Anwendung von Benzodiazepinen also immer ein gewisses Risiko.

Gibt es wirksame Benzodiazepin-Alternativen?

In den letzten Jahren ist die Zahl der verordneten Benzodiazepine zurückgegangen. Es wird vermutet, dass diese verminderte Zahl auf eine veränderte Verschreibungspraxis zurückgeht. Viele Ärzte setzen vermehrt auf neuere Antidepressiva wie SSRI (Serotonin-Wiederaufnahmehemmer), SNRI (Serotonin-Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer) und Neuroleptika. Ebenso können verschiedene, sanft wirksame pflanzliche Präparate bei leichten Befindlichkeitsstörungen in Frage kommen. Dennoch ist die wirksamste Alternative zu Benzos immer die Suche nach den Krankheitsursachen und eine Veränderung des Umgangs mit den unterschiedlichen Stressfaktoren.

Wie schnell machen Benzodiazepine abhängig?

Alle Benzodiazepin-Präparate sollten nicht länger als 2 Wochen eingenommen werden, um die Gefahr einer Gewöhnung und Toleranzbildung gering zu halten. Schließlich können einzelne Medikamente dieser Gruppe bereits nach kurzer Zeit eine schwere körperliche und psychische Abhängigkeit verursachen. Dies gilt nicht nur für eine missbräuchliche Verwendung, sondern auch für die ärztlich vorgeschriebene Anwendung. Beispielsweise kann bei Flunitrazepam bereits nach zwei Wochen eine Abhängigkeit auftreten. Absolut kontraindiziert für eine Benzodiazepin-Verordnung sind Menschen, die bereits von einer anderen Abhängigkeit betroffen sind. Schließlich besteht hier ein deutlich höheres Risiko, eine Benzodiazepinabhängigkeit zu entwickeln.

Durch welche Symptome zeichnet sich eine Benzodiazepinabhängigkeit aus?

Wie alle anderen Medikamentenabhängigkeiten auch, wird eine Benzodiazepinabhängigkeit häufig erst sehr spät bemerkt. In vielen Fällen sogar erst dann, wenn die Einnahme beendet wird und die ersten Entzugserscheinungen auftreten. Grundsätzlich macht sich eine Abhängigkeit durch Einschränkungen im Sozialleben und unterschiedliche körperliche und psychische Symptome bemerkbar.

Körperliche Anzeichen

  • Kopfschmerzen und Übelkeit
  • Magen- und Darmprobleme
  • Schwindelgefühl
  • Sturzgefahr (besonders bei älteren Menschen)
  • Krampfanfälle
  • Zittern und neurologische Ausfälle
  • Allgemeine Leistungsabfälle

Psychische Anzeichen

  • Starke Stimmungsschwankungen
  • Verminderte Konzentrations- und Merkfähigkeit
    Emotionale Abstumpfung

Paradoxe Reaktionen

Häufig kommt es – insbesondere bei älteren Menschen jenseits des 60. Lebensjahrs – auch zu paradoxen Reaktionen, d. h. einer Wirkungsumkehr. Hier leiden die Betroffenen verstärkt unter Beschwerden, die eigentlich durch das Medikament gelindert werden sollten. Dazu zählen:

  • Schlaf- und Angststörungen
  • Erhöhtes Suizidrisiko

Wie wird eine Benzodiazepin-Abhängigkeit behandelt?

Eine Benzodiazepinabhängigkeit sollte keineswegs auf die leichte Schulter genommen, sondern so schnell wie möglich behandelt werden. So ist ein fraktionierter Medikamentenentzug für abhängige Menschen der richtige und sicherste Weg, um dauerhaft von der Sucht loszukommen. Um die Entzugserscheinungen so gering wie möglich zu halten, wird das abrupte Absetzen des Medikaments vermieden und das Benzodiazepin langsam ausgeschlichen. Aufgrund der zum Teil sehr langen Halbwertszeiten dauert ein Benzodiazepin-Entzug meist deutlich länger als ein Alkoholentzug. Schließlich kann es bis zu mehreren Wochen dauern, bis der Körper vollständig von der Substanz entgiftet ist und die letzten körperlichen Entzugserscheinungen abgeschlossen sind.

Neben der körperlichen muss ebenso die psychische Abhängigkeit behandelt werden. In einer professionellen Suchtklinik wie der My Way Betty Ford Klinik werden auch die psychischen Ursachen der Sucht behandelt und therapeutisch aufgearbeitet. Ebenso wird gemeinsam mit dem Patienten und ggf. seinem persönlichen Umfeld ein umfangreicher ambulanter Nachsorgeplan erstellt, um die gewonnene Suchtmittelfreiheit dauerhaft zu stabilisieren. Nach dem Entzug helfen eine weiterführende ambulante Therapie und der Besuch einer Selbsthilfegruppe, die nötige Sicherheit für einen abstinenten Alltag zu gewinnen.

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