Alkohol und Angst

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Aktualisiert am: 16.06.2021
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Alkohol und Angst: alles Wichtige in 30 sec.

  • Alkohol steigert die Ausschüttung des Botenstoffs Dopamin, so dass Angststörungen zunächst abgeschwächt werden.
  • Diese Entspannung ist allerdings nur zeitlich begrenzt, danach kehren die Ursprungsgefühle verstärkt wieder zurück.
  • Bei Gesunden kann ein regelmäßiger Alkoholkonsum Angst hervorrufen, so dass viele Alkoholkranke eine Angststörung ausbilden.
  • Eine generelle Hilfe bei Angst ist nur durch eine psychotherapeutische Behandlung möglich, nicht durch ein Suchtmittel wie Alkohol.
  • Besteht gemeinsam mit der Angststörung eine Alkoholsucht, muss diese durch einen professionellen Alkoholentzug behandelt werden.
Inhalt

Auslöser und Verstärker

Die Wirkung von Alkohol entfaltet sich vor allem im zentralen Nervensystem des Menschen. Dabei werden die stimmungsaufhellenden und beruhigenden Effekte der Substanz ganz besonders geschätzt. Es überrascht demnach nicht, dass insbesondere Personen, die unter psychischen Problemen leiden, häufiger zur Ausbildung eines chronischen Alkoholmissbrauchs tendieren als ausgeglichene Menschen. Weil der Alkohol negative Gefühle wie Schuld, Scham oder Angst mildert bzw. betäubt, versuchen sich Betroffene smit dem Griff zur Flasche Erleichterung zu verschaffen.

Welche Ängste gibt es?

Menschen, die zum Alkohol greifen, um ihre Angst zu bekämpfen, leiden unter den verschiedensten Angstzuständen. So unterscheidet man zwischen Panikstörungen, die sich unvermittelt durch starke Angstanfälle bzw. Panikattacken bemerkbar machen, einer generalisierten Angststörung (GAS), die sich durch ständige Sorgen und Grübeleien auszeichnet und einer posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS), die durch belastende Erlebnisse und Lebenssituationen hervorgerufen wird. Darüber hinaus zählen auch die Platzangst (Agoraphobie), soziale Phobien und spezifische Phobien zu den Angststörungen. Unabhängig von der jeweiligen Indikation wirkt der Alkohol jedoch letztlich im Gehirn immer gleich.

Wie wirkt Alkohol bei einer Angststörung?

Hilfe bei Panik: Wie wirkt Alkohol bei einer Angststörung?Wer unter einer Angststörung leidet oder schon einmal eine Panikattacke erlebt hat, weiß, wie unangenehm dieses Gefühl ist. Der Körper versetzt sich binnen weniger Sekunden in einen absoluten Ausnahmezustand. Das Herz beginnt zu rasen, Schweiß bricht aus und in der Brust macht sich eine unangenehme Enge breit. Die typischen Symptome können bei Menschen mit einer diagnostizierten Angststörung so beeinträchtigend sein, dass sie sich sozial zurückziehen, Depressionen entwickeln und Freunde, Familie und schlimmstenfalls den Arbeitsplatz verlieren. In diesem Fall hilft meist nur eine Behandlung im Rahmen einer Psychotherapie und einer passenden Medikation. Anstatt eine solche in Anspruch zu nehmen, entscheiden sich viele Patienten jedoch für eine vermeintlich einfachere und schnellere Lösung des Problems: Sie trinken Alkohol.

Schon kleine Mengen Alkohol können dafür sorgen, dass im Gehirn der Neurotransmitter Dopamin ausgeschüttet wird. Dieser wird nicht umsonst als Glückshormon bezeichnet, denn er hebt die Stimmung und sorgt für Unbeschwertheit und gute Laune. Die letzte Panikattacke ist dadurch genauso schnell vergessen, wie die Gefühle persönlicher Unzulänglichkeit oder Scham. Gleichzeitig ruft der Alkohol im Gehirn für eine verstärkte Aktivität des Botenstoffs GABA hervor. Dies hat zur Folge, dass die Übertragungsaktivität der Nervenzellen nachlässt und sich Erregungszustände wie Angst und Panik verflüchtigen. Unter der Alkoholwirkung scheint das Leben für die Betroffenen plötzlich deutlich einfacher und entspannter zu sein.

Welche Risiken birgt der Alkoholkonsum?

Psychische Störungen wie zum Beispiel eine generalisierte Angststörung mit Panikattacken, eine Depression oder auch eine Borderline-Erkrankung lassen sich nicht mit Alkohol therapieren. Vielmehr werden im Gehirn künstliche Glücksgefühle und Entspannung hervorgerufen, die lediglich zeitlich begrenzt für Linderung sorgen. Sobald die Wirkung der Droge Alkohol abklingt, kehren die Ursprungsgefühle wieder zurück. Teilweise sind die Symptome wie Herzrasen, Zittern und innere Unruhe für die Betroffenen sogar noch schlimmer als vor dem Alkoholkonsum. In diesem Zusammenhang spricht man auch von einem Rebound-Effekt. Die Ursachen liegen unter anderem an der durch Alkohol hervorgerufenen Rezeptoren-Blockierung des Neurotransmitters Glutamat, der eine aktivierende bzw. stark erregende Wirkung besitzt. In Folge wird die gesamte körperliche Erregungsweiterleitung heruntergefahren, so dass der Körper neue Glutamat-Rezeptoren ausbildet. Spätestens wenn der Alkoholspiegel sinkt, sorgt dies für ein gesteigertes Erregungsniveau, weil das freigesetzte Glutamat plötzlich zahlreiche Rezeptoren vorfindet, an denen es andocken kann.

Was ist Hangxiety?

In der letzten Zeit ist in den Medien immer häufiger der Begriff “Hangxiety” zu lesen. Hierbei handelt es sich um ein Wort, dass aus den englischen Begriffen “hangover” (deutsch: Kater) und “anxiety” (deutsch: Angst) zusammengesetzt wurde. Anstelle eines normalen Katers mit Symptomen wie Kopfschmerzen, Übelkeit und starkem Durst, erleben die Konsumenten zusätzlich einen psychischen Kater, der ihnen ein mulmiges Gefühl gibt. Nicht selten erleiden sie ihre erste Panikattacke im Anschluss an einen stimmungsvollen Abend mit viel Alkohol. Am nächsten Tag fühlen sich die Betroffenen depressiv, ängstlich und körperlich unwohl. Die Gründe liegen auf der Hand. Die am Abend zuvor konsumierte Menge Alkohol hat den Neurotransmitter-Stoffwechsel derart durcheinandergebracht, dass der Körper versucht das entstandene Ungleichgewicht wieder ins Lot zu bringen. Dabei kommt es einerseits zu einer verringerten Produktion von Glückshormonen wie Dopamin und GABA, sowie andererseits zu einem Glutamat-Überschuss, der für einen Anstieg des Erregungsniveaus sorgt. Besonders Menschen, die ohnehin schnell sensibel und emotional reagieren oder sich tendenziell viele Sorgen oder Gedanken machen, beginnen jetzt die negativen psychischen Auswirkungen des Alkoholgebrauchs zu spüren. Meist dauert es ein bis zwei Tage, bis das Gleichgewicht der Botenstoffe im Gehirn wiederhergestellt ist.

Weshalb kann ein riskanter Konsum auch Gesunde krankmachen?

Selbst psychisch stabile Menschen, die mit beiden Beinen fest im Leben stehen, können bei einem dauerhaften Alkoholmissbrauch langfristig eine generalisierte Angststörung oder Panikattacken ausbilden, Depressionen entwickeln oder sogar eine Alkoholpsychose erleiden. Der Grund liegt in der bereits beschriebenen Auswirkung des Alkohols auf das zentrale Nervensystem und der zell- und nervenschädigenden Wirkung auf den gesamten Organismus. Während es sich bei der sogenannten Hangxiety meist nur um einen temporären Zustand handelt, kann der regelmäßige Konsum von Ethanol auf lange Zeit auch ständige Angst hervorrufen, die meist wieder mit Alkohol bekämpft wird. Dementsprechend gerät der Patient in einen gefährlichen Kreislauf, in dem er immer wieder trinken muss, um die Panikattacken zu unterdrücken, wodurch diese aber nur stetig gefüttert werden. Wer in bestimmten Situationen mit Panik und Angst reagiert, leicht aus der Haut fährt, nervös ist und regelmäßig zu alkoholischen Getränken greift, um sich zu beruhigen, hat vermutlich die Grenze von einem unbedenklichen hin zu einem problematischen Konsum bereits überschritten. Besonders fatal daran ist, dass sich der Körper auf diese Weise an die tägliche Menge Alkohol gewöhnt und eine Toleranz entwickelt, so dass der Alkoholkonsum nach und nach gesteigert werden muss, um noch dieselbe beruhigende Wirkung zu verspüren.

Was hilft gegen Angst- und Panikattacken?

Alkohol, Zigaretten oder Drogen können zwar beruhigend wirken, lösen aber keine Probleme. Psychische Erkrankungen wie Phobien, soziale Ängste oder generalisierte Angststörungen haben meist verschiedene, partiell auch konkrete psychische Ursachen. Diese Ursachen und Belastungen im Rahmen einer professionellen psychotherapeutischen Behandlung aufzuspüren und aufzuarbeiten, ist der erste Schritt zurück in ein Leben ohne Angst. Neben gesprächstherapeutischen Ansätzen haben sich vor allem im Zusammenhang mit Angststörungen verhaltenstherapeutische Behandlungskonzepte als hilfreich erwiesen. Wichtig ist es, sich den Situationen, die Angst auslösen, zu stellen und ihnen mit der passenden Strategie zu begegnen. Auf diese Weise können die Patienten neue Wahrnehmungs- und Verhaltensmuster erlernen und erfahren, dass sie die betreffenden Situationen auch ohne Angst erleben können. Ebenso können bei der Behandlung krankhafter Angst Entspannungstechniken wie Autogenes Training oder Progressive Muskelentspannung, Akupunktur und sportliche Aktivitäten helfen.

Tritt die Angststörung in Verbindung mit einer Alkoholsucht auf, spricht man auch von einer sogenannten Komorbidiät. In diesem Falle muss zusätzlich eine Suchttherapie durchgeführt werden, d. h. eine professionelle Entgiftung und Entwöhnung von Alkohol. Andernfalls besteht das Risiko, dass die Angststörung trotz adäquater Behandlung durch die Sucht erneut hervorgerufen wird. Patienten, die sowohl an einer Angststörung als auch an der Alkoholkrankheit leiden, sollten daher einen stationären Entzug in einer qualifizierten Suchtklinik bzw. Alkoholentzugsklinik durchführen, die sowohl die Abhängigkeit als auch die Angst behandelt. Ebenso besteht im geschützten Rahmen der Klinik die Möglichkeit, sich mit anderen Betroffenen in ähnlicher Situation auszutauschen, dadurch neuen Mut zu schöpfen und sowohl die Sucht als auch die Angst zu behandeln.

Ihr Kontakt zur My Way Betty Ford Privatklinik

In unserer Entzugsklinik Alkohol behandeln wir Alkoholsucht und Angststörung gemeinsam und sorgen auf diese Weise für eine nachhaltige Abstinenz. Die Patienten lernen, ihre Angst auch ohne das Suchtmittel zu bewältigen. Wir bieten Ihnen konkret:

  • ein langjährig bewährtes und zertifiziertes Therapiekonzept
  • die Entgiftung und Entwöhnung in einem Behandlungsschritt
  • maximale Diskretion und Anonymität durch Aliasnamen
Person steigt eine Treppe herauf und hält eine Fahne in der Hand. Auf einem Schild steht JA zum suchtfreien Leben.






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