Flunitrazepam / Rohypnol®

Lesezeit:
Aktualisiert am: 23.02.2021
Kontinuierlich neue Inhalte im Suchtratgeber Medikamente

Fachlich geprüft

alle Inhalte der Webseite wurden von Ärzten geprüft

Inhalt

Zwischen Medikament und Droge

Ein gesunder Schlaf hilft dabei, das Erlebte des vergangenen Tages zu verarbeiten und die Energiereserven aufzuladen. Einige wissenschaftliche Hypothesen gehen sogar davon aus, dass der Mensch im Schlaf Probleme zu lösen vermag. Wer aufgrund einer Schlafstörung am Ein- oder Durchschlafen gehindert wird, hat entsprechend mit entscheidenden Nachteilen zu leben. So schlägt Schlafmangel nicht nur aufs Gemüt, sondern wirkt sich auch negativ auf die körperliche Vitalität und Fitness aus. Nicht umsonst gehört Schlafentzug zu den ältesten Foltermethoden der Menschheit. Umso wichtiger ist es, dass Patienten, die unter einer akuten Schlafstörung leiden, Hilfe erhalten. Dabei kommt häufig das Medikament Flunitrazepam zum Einsatz. Dieses Benzodiazepin hat auf der einen Seite eine stark sedierende und hypnotische Wirkung, birgt auf der anderen Seite aber ein enormes Risiko für eine Medikamentensucht in sich. Deshalb werden Rohypnol® und andere Arzneimittel mit diesem Wirkstoff häufig auch als Drogen missbraucht.

Rohypnol®: Was ist das?

Flunitrazepam / Rohypnol®: Zwischen Medikament und DrogeRohypnol® ist der Handelsname eines Medikaments mit dem Wirkstoff Flunitrazepam. Es gibt noch weitere Arzneimittel, die diesen Stoff enthalten. Dazu gehören beispielsweise Fluninoc® und Fluntrazepam 1 – 1 A Pharma®. Die herausstechende Eigenschaft, die diese Mittel auszeichnet, ist dass sie stark beruhigend (sedierend) und schlaffördernd (hypnotisch) wirken. Wer eine der Tabletten schluckt, kann seine Schlafstörung meist binnen weniger Minuten hinter sich lassen und sich entspannt zu Bett begeben. Deshalb werden diese Arzneimittel zur kurzzeitigen Behandlung akuter Schlafstörungen sowie als Beruhigungsmittel bei Angst- und Panikstörungen verschrieben. Außerhalb des Privatgebrauchs als Schlafmittel, werden Flunitrazepam-haltige Arzneimittel auch als Beruhigungsmittel im Zusammenhang mit operativen Eingriffen eingesetzt.

Ist Flunitrazepam rezeptfrei oder fällt Flunitrazepam unter das BtM?

Der Wirkstoff, der in den 1970er Jahren von Hoffmann-La Roche entwickelt wurde, fällt in Deutschland unter das Betäubungsmittelgesetz, weshalb die Aushändigung der Medikamente ausschließlich in der Apotheke erfolgen kann. Hierfür benötigen Betroffene ein BtM-Rezept, welches sie von ihrem Arzt ausgestellt bekommen. Flunitrazepam rezeptfrei zu bekommen, ist auf legale Weise in Deutschland nicht möglich.

Bevor Flunitrazepam im März 2011 komplett unter das BtMG gestellt wurde, waren Rohypnol® und ähnliche Präparate nicht nur bei Patienten mit Schlafschwierigkeiten im Umlauf. Auch in der Drogenszene gehörten “Roofies” und “Flunnies” zu beliebten Rauschmitteln. Vor allem Heroinsüchtige verwenden das Benzodiazepin bis heute noch, um die Phase bis zum nächsten Konsum zu überbrücken. Darüber hinaus wird der Stoff wegen seiner sedativen Effekte gern als Mittel zum “Runterkommen” nach dem Genuss halluzinogener Drogen oder Kokain eingenommen. Eine zweifelhafte Berühmtheit erlangte Rohypnol® zudem aufgrund seines Rufs als sogenannte Date-Rape-Droge. In Form von Tropfen wurde das starke Beruhigungsmittel, das vor allem im Zusammenspiel mit Alkohol Gedächtnislücken hervorrufen kann, Frauen in Diskotheken in die Drinks gemischt. Auch heute noch ist in der Presse immer wieder von Fällen zu lesen, bei denen die Date Rape Drug zum Einsatz kam. Wer Flunitrazepam ohne BtM-Rezept erhalten will, begibt sich automatisch in die Illegalität, da der unerlaubte Handel ebenso wie der Besitz dieses Betäubungsmittels ohne Rezept strafrechtlich verfolgt werden kann.

Flunitrazepam-Wirkung: Wie schnell wirkt Rohypnol®?

Im Gegensatz zu einigen anderen Benzodiazepinen gehört Flunitrazepam zu den Wirkstoffen, die einen besonders schnellen Wirkungseintritt versprechen. Nach der oralen Einnahme einer Tablette können die sedierenden und hypnotischen Effekte schon innerhalb weniger Minuten verspürt werden. Die Wirkung von Rohypnol® und vergleichbaren Präparaten kann mehrere Stunden anhalten. Insgesamt ist Flunitrazepam bis zu zehnmal so stark, wie das ähnlich wirkende Benzodiazepin Diazepama. Dabei basieren beide Substanzen auf derselben Wirkungsweise und steuern nach der Überwindung der Blut-Hirn-Schranke direkt die sogenannten GABA-Rezeptoren an. Diese verfügen über eine Bindungsstelle für den Neurotransmitter GABA, der auch als Gamma-Aminobuttersäure bekannt ist. GABA sorgt für einen hemmenden Effekt bei der Reiz- und Signalweiterleitung im zentralen Nervensystem. Durch die Bindung des Arzneistoffs an die GABA-Rezeptoren, wird diese Wirkung verstärkt, sodass der Patient sich schnell ruhiger fühlt, müde wird und endlich einschlafen kann.

Mögliche Nebenwirkungen: Ist Rohypnol® bedenkenlos als Schlafmittel einzusetzen?

Wer von seinem Arzt Flunitrazepam-haltige Medikamente verordnet bekommt, der sollte diese stets nur für eine Kurzzeitbehandlung z.B. nicht länger als 7 – 10 Tagen verwenden. Die Nebenwirkungen, die das Benzodiazepin auslösen kann, sind schließlich alles andere als harmlos. Weitaus gefährlicher ist es aber, weil schon nach kurzzeitiger Anwendung eine Suchterkrankung entstehen kann. Diese kann sowohl den Körper als auch die Psyche negativ beeinflussen. Deshalb sollten Patienten, die genaue mg-Dosis immer mit dem behandelnden Arzt absprechen und die diesbezügliche Vorgabe unbedingt einhalten.

Typische Nebenwirkungen, die bei der Einnahme von Flunitrazepam auftreten, sind:

  • Hautveränderungen
  • Übelkeit, Erbrechen und andere Magen-Darm-Beschwerden
  • Muskelschwäche
  • Sehstörungen
  • Atemdepression

Zusätzlich zu diesen für Benzodiazepine typischen Nebenwirkungen sind vor allem bei Kindern und älteren Patienten paradoxe (gegengesetzte) Reaktionen bemerkt worden. Trotz richtiger Dosierung kommt es hierbei zu einer Verstärkung der Symptome, die durch das Medikament eigentlich beseitigt werden sollten. Betroffene erleben verstärkte Unruhe- und Erregungszustände, Angstgefühle oder Panikattacken sowie Halluzinationen. Sollten diese paradoxen Reaktionen auftreten, ist umgehend der zuständige Arzt zu konsultieren. Die Tabletten sollten zudem nicht weiter eingenommen werden.

Es gibt zahlreiche Gegenanzeigen, bei denen das Betäubungsmittel Flunitrazepam nicht verwendet werden sollte. Während der Schwangerschaft, bei einer bereits bestehenden Suchterkrankung sowie bei Personen mit einer Einschränkung der Atemtätigkeit oder einem Schlafapnoe-Syndrom sollte auf andere Medikamente ausgewichen werden. Darüber hinaus besteht die Möglichkeit gefährlicher Wechselwirkungen beim gleichzeitigen Konsum von Alkohol. Die zusätzlich sedierende Wirkung des Alkohols kann das Auftreten von Gedächtnislücken begünstigen, die Gefahr einer Atemdepression bis hin zum Atemstillstand erhöhen und das Risiko für Stürze vergrößern.

Missbrauch von Flunitrazepam: Welche Folgen hat Rohypnol® als Droge?

Wer Rohypnol® als Droge in Kombination mit Heroin, Ketamin oder anderen bewusstseinsverändernden Substanzen einnimmt, gefährdet schon bei einer einzigen Einnahme die eigene Gesundheit. Wenn mehrere psychoaktive Substanzen, die auf das Gehirn des Menschen einwirken, zusammentreffen, können sich die Wirkungseffekte der Substanzen in ungeahnter Weise potenzieren. Insbesondere angesichts der stark sedierenden Effekte sogar in geringer Dosierung, ergeben sich für Betroffene häufig ungeahnte Komplikationen, die zum Tode führen können. Viele Drogensüchtige, die Opioide oder Heroin und Rohypnol® gemeinsam einnehmen, erleiden einen Atemstillstand, fallen ins Koma oder ersticken im Schlaf an ihrem Erbrochenen. Auch die Entzugserscheinungen, die mit der Abhängigkeit einhergehen, können tödlich enden. Krampfanfälle und Depressionen mit Suizidgedanken sind nur zwei mögliche Szenarien.

Wie schnell macht Rohypnol® abhängig?

Flunitrazepam ist ein Wirkstoff, der genauso wie alle anderen Benzodiazepine, sehr schnell abhängig machen kann. Experten gehen davon aus, dass bereits eine regelmäßige Einnahme von zwei Wochen zu einer Suchtentwicklung führen kann. Teilweise ist ein noch früherer Eintritt der Abhängigkeitserkrankung denkbar. Gerade weil die Entzugserscheinungen, die auftreten, wenn man eine Tablette auslässt oder verspätet einnimmt, den Symptomen ähneln, für deren Behandlung das Medikament verordnet wurde, besteht die Gefahr, dass Patienten das Mittel wieder und wieder einnehmen und dadurch ihre Abhängigkeit weiter steigern. Mediziner empfehlen deshalb einen professionellen Medikamentenentzug, bei dem das Präparat langsam ausgeschlichen wird. Hierbei erfolgt eine kontrollierte Verringerung der täglichen Dosis Flunitrazepam, bis der Suchtkranke auch ohne das Medikament stabil ist. Auch eine Umstellung auf ein besser dosierbares, kurzwirksames Benzodiazepin ist möglich, um einen guten Entzug durchzuführen.

Damit auch die psychische Abhängigkeit überwunden wird, werden in spezialisierten Kliniken wie der My Way Betty Ford Klinik, verschiedene Therapiemodule angeboten. Mit verhaltenstherapeutischen oder tiefenpsychologisch fundierten Ansätzen sowie in verschiedenen Gruppentherapiesitzungen lernen die Betroffenen, wie sie ihre Sucht in den Griff bekommen und ohne das Suchtmittel stabil durchs Leben gehen können. Bei der Zusammenstellung der individuellen Therapiemodule spielt es eine erhebliche Rolle, ob die Sucht in Form einer unbeabsichtigten Medikamentenabhängigkeit vorliegt, oder ob der Erkrankte die Substanz absichtlich als Rauschmittel konsumiert. Insbesondere wenn eine Mehrfachabhängigkeit vorliegt, müssen die therapeutischen Ziele und Maßnahmen angepasst werden. Eine ambulante Nachsorge der Betroffenen ist auch nach dem stationären Aufenthalt ratsam.

Ihr Kontakt zur My Way Betty Ford Privatklinik

Person steigt eine Treppe herauf und hält eine Fahne in der Hand. Auf einem Schild steht JA zum suchtfreien Leben.





    Lesen Sie auch

    Abstinenzmotivation

    Das Suchtdreieck

    Craving

    Medikamentensucht-Folgen

    Medikamentenentzug

    Mischkonsum

    Aktuelle Seminare zum Thema Medikamentenentzug

    Fortbildungsveranstaltung “Sucht & Depression” am 27.03.2021 in Hamburg

    Jetzt informieren

    MITTEILUNG „UPDATE DER MY WAY BETTY FORD KLINIK® ZU COVID-19“

    Jetzt informieren

    Pressemitteilung “Erfolgreiche Rezertifizierung der My Way Betty Ford Klink®”

    Jetzt informieren

    Pressemitteilung “Die My Way Betty Ford Klinik® jetzt mit Wissenschaftlichem Beirat”

    Jetzt informieren

    Stellungnahme: Beeinflusst ein Ausgang während der Therapie den Therapieerfolg

    Jetzt informieren

    Aktuelle Fachbeiträge zum Thema Medikamentenentzug

    Suchtverhalten wird häufig durch psychische Erkrankungen ausgelöst

    Jetzt informieren

    Legalisierter Cannabis-Konsum und das Risiko chronischer Psychosen

    Jetzt informieren

    (K)ein Leben mit Drogen: Wenn Wahn und Beziehungslosigkeit das Leben bestimmen

    Jetzt informieren

    Coitus und Sucht – ein Teufelskreis aus Versagensängsten und Erfolgsdruck

    Jetzt informieren

    Dreiphasiges Therapie-Modell für einen erfolgreichen Drogenentzug

    Jetzt informieren

    Betty Ford Klinik fordert situationsgerechten Umgang mit Co-Abhängigkeit

    Jetzt informieren

    Meist verleugnet oder bagatellisiert: Sucht ist ein gefährliches gesellschaftliches Tabu

    Jetzt informieren

    Fachlich geprüft

    alle Inhalte der Webseite wurden von Ärzten geprüft

    Wissenschaftlicher Beirat

    • Unabhängige Beratung durch namhafte Mediziner der Suchtmedizin und Psychotherapie
    • Kontinuierliche Qualitätsverbesserungen unseres langjährig bewährten Therapiekonzepts
    • Regelmäßige Mitarbeiterschulungen gemäß neuesten suchtmedizinischen Erkenntnissen

    Über den wissenschaftlichen Beirat

    Mitglieder des wissenschaftlichen Beirats der MyWayBettyFord Klinik





      Bitte beachten Sie unsere Angaben zum Datenschutz.